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FACHINFORMATIONEN
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Hepatitis D und E: eine unterschätzte Gefahr !?
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Sep. 2011
Hintergrund:
Bei der Differenzialdiagose der viralen infektiösen Hepatitis standen bisher die Hepatitis A, B und C im Vordergrund. Die Hepatitis D (Delta) und E galten in Deutschland als Seltenheit, die allenfalls bei bestimmten Risikogruppen in Betracht gezogen wurde. Neue künftige Behandlungsmöglichkeiten bei der Hepatitis D und die Zunahme von in Deutschland erworbenen Hepatitis E-Infektionen haben in jüngster Zeit die Aufmerksamkeit auf diese verkannten „Stiefkinder“ der Hepatologie gelenkt.
Hepatitis D
Das Hepatitis D- oder Hepatitis-Delta-Virus (HDV) ist ein inkomplettes RNA-Virus, das zu seiner Replikation die Hülle des Hepatitis B-Virus benötigt (HBs-Ag) und daher nur zusammen mit HBV (Koinfektion) oder auf einen chron. HBVTräger übertragbar ist (Superinfektion). Das Virus wird parenteral übertragen, vertikale und sexuelle Übertragungen sind seltener als bei HBV. Bei der Superinfektion kommt es häufig zu schweren, nicht selten fulminanten Verläufen, aber auch die Koinfektion verläuft schwerer als die Monoinfektion mit HBV. Die Erkrankung ist in Deutschland sicher unterdiagnostiziert, die Zahl der Infizierten wird aber auf etwa 30.000 geschätzt. Man rechnet damit, daß bei uns etwa 5% aller Hepatitis B-Erkrankten auch mit dem HDV infiziert sind, verglichen mit Hochrisikogebieten wie Rumänien und Brasilien, wo dies bei bis zu 40% der Hepatitis B-Infizierten der Fall ist. Die Therapie mit pegyliertem Interferon führt nur bei etwa einem Viertel der Patienten zu einer andauernden HDVEliminierung, es sind aber neue Medikamente in der klinischen Entwicklung wie Prenylierungsinhibitoren, die auf bessere Behandlungserfolge hoffen lassen.
Hepatitis E
Das Hepatitis E-Virus (HEV) wird im Stuhl ausgeschieden und fäkal-oral übertragen. Wichtigste Ansteckungsquelle sind kontaminiertes Trinkwasser oder Lebensmittel, selten enger Kontakt mit Infizierten. Die Mehrzahl der Infektionen verläuft als akute Virushepatitis mit einer Letalität von bis zu 1%, bei Schwangeren allerdings bis zu 20%. Relativ neu ist die Erkenntnis, daß es entgegen bisheriger Meinung gelegentlich auch chronische Verläufe gibt, insbesondere bei immunsupprimierten Patienten nach Organtransplantation. HEV galt bisher als exotische Reiseinfektion bei Reisen nach Asien, Teilen von Afrika sowie Mexico. Neueren Daten zufolge wird allerdings ein erheblicher Anteil von 30-45% der ans RKI gemeldeten Fälle in Deutschland erworben. Dabei gilt dieser Anteil sogar noch als zu niedrig, weil bisher bei klinischer Hepatitis ohne Reiseanamnese eine HEV-Infektion nicht in Betracht gezogen wurde. Bei deutschen Blutspendern findet man bei etwa 2% HEVAntikörper, was auf eine Vielzahl asymptomatischer Verläufe hindeutet. Als wichtigste Infektionsquelle hierzulande wurde unzureichend gegartes Fleisch oder Rohwürste von Schwein, Wildschwein und Hirsch identifiziert, bei denen das HEV weit verbreitet ist. Weitere mögliche Übertragungswege sind Bluttransfusionen und Organtransplantationen. Ein Impfstoff ist in Entwicklung, klinische Studien sind im Gange.
Indikation zur Testung:
- HDV-Ak (IgG und IgM): bei jeder akuten oder chronischen Hepatitis B (HBs-Ag und/oder HBV-DNA positiv). Wenn positiv auch Bestimmung der HDV-RNA mittels PCR.
- HEV-Ak (IgG und IgM): bei Hepatitis im Rahmen der Stufendiagnostik nach Ausschluß von Hepatitis A, B und C auch ohne Reiseanamnese. Der Nachweis von HEV-RNA im Blut oder Stuhl beweist eine akute Infektion.
Material:
Serum, EDTA-Blut (für HDV- und HEV-RNA)
Abrechung:
Die Kosten der Tests werden von den gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen übernommen.
Meldepflicht:
Für alle Hepatitiden A, B, C, D und E besteht Meldepflicht nach § 6 und § 7 des IfSG.
Literatur:
1.) Vetter C. Hepatitis D und E sind häufiger als angenommen. Dtsch Ärzteblatt 2011;108(33):A1739-40
2.) Caspari G. Hepatitis-E-Virus: Übertragungen auch in Europa. Der Mikrobiologe 2009;19:4-7
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Wichtige Information zum Gendiagnostikgesetz.
Jan. 2010
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PCA3: neuer, spezifischer molekulargenetischer Test für das Prostatakarzinom
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Juli 08
Hintergrund:
Seit der routinemäßigen Einführung des PSA wurde die Früherkennung
des Prostatakarzinoms revolutioniert. Der PSA-Wert ist ein organ- und tumorspezifischer
Marker. Neben dem Malignom kann die PSA-Konzentration durch eine Vielzahl
von Faktoren beeinflusst werden.
Bei PSA-Werten über 4 ng/ml liegt die Karzinomfindung bei etwa 25%.
Bei negativer Biopsie und erhöhten PSA-Werten besteht dennoch ein
erhöhtes Risiko für eine Erkrankung, da 25% der Prostatakarzinome
bei einer einmaligen Biopsie nicht diagnostiziert werden. Daher sind ggf.
weitere Biopsien notwendig. Um die Erkennung eines möglicherweise
vorhandenen Prostatakarzinoms nach negativen Biopsien zu verbessern, wurden
und werden zahlreiche bildgebende und andere Verfahren untersucht.
PCA3:
Neue, vielversprechende Ergebnisse zeigt hierbei der unkomplizierte molekular-genetische
Nachweis des Prostata cancer gene 3 (PCA3). Dieses wird im Vergleich zu
gutartigem Prostatagewebe in Prostatakrebszellen überexprimiert. Das Ergebnis
der Messung wird in einem PCA3 Score angegeben. Der Score kann sowohl zur
Verlaufskontrolle als auch als Entscheidungs-hilfe für eine Biopsie herangezogen
werden. Die Ergebnisse einer amerikanischen Studie an 233 Männern mit erhöhten
PSA-Werten und negativer Biopsie zeigten, dass eine Wiederholungsbiopsie
in ca. 27% positiv ausfällt (1). Die Sensitivität des PCA3-Scores bei einem
Cut-off von 35 betrug 58% bei einer Spezifität von 72%. Der PCA3-Score
ist der PSA bzw. freien PSA-Bestimmung zur Vorhersage eines Ergebnisses
einer Wiederholungsbiopsie überlegen (1, 2). Die Wahrscheinlichkeit eines
positiven Biopsieergebnisses korreliert dabei mit der Höhe des PCA3-Scores.
Indikation:
- zusätzliche Information, wenn PSA und die digital
rektalen Untersuchung (DRU) keine eindeutigen Informationen liefern
- Entscheidungshilfe zu einer erneuten Biopsie
Material:
Urin, der nach einer standardisierten DRU in einem neutralen
Gefäß aufgefangen wird und in ein spezielles Transportröhrchen,
das Sie bei uns anfordern können, umgefüllt wird.
Abrechungshinweis:
Die Kosten des Tests werden derzeit nicht von den gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) übernommen. Der Preis für Selbstzahler beträgt 335 € und ist damit vergleichbar mit anderen genetischen Tests in der molekularen Onkologie.
Literatur:
1.) Leonard S. Marks et al.: PCA3 molecular urine assay for prostate cancer in men undergoing repeat biopsy. Urology, 2007, 69 (3): 532-535
2.) Alexander Haese et al.: The
value of the PCA3 assay in guiding decision which men with a negative prostate
biopsy need immediate repeat biopsy: preliminary european data. Posterpräsentation
EAU 2007
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Molekularzytogenetische Diagnostik
bei Erstdiagnose und Rezidiven des Harnblasenkarzinoms
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Januar 08
Klinik:
Das Harnblasenkarzinom stellt 2% aller bösartigen Tumoren des Menschen
dar.
Männer sind etwa 3 mal häufiger als Frauen betroffen. Das mittlere Alter
bei Entdeckung eines Harnblasenkarzinoms beträgt 65-70 Jahre.
Bei Erstdiagnose haben etwa 75% der Patienten ein oberflächliches Harnblasenkarzinom,
20% einen muskel-invasiven Tumor und 5% ein bereits fortgeschrittenes Stadium.
Leitsymptom des Blasenkarzinoms im Frühstadium ist typischerweise eine
Hämaturie. Oberflächliche Karzinome (Ta, T1 und Carcinoma in situ) neigen
häufig zu Rezidiven, daher ist ein regelmäßiges Monitoring erforderlich.
FISH-Nachweisverfahren:
Das Harnblasenkarzinom ist, wie auch andere solide Tumoren, durch das Auftreten
von be-stimmten Chromosomenaberrationen charakterisiert.
Die Blasenkarzinomzellen werden in den Urin abgeschilfert.
Mit Hilfe der Fluoreszenz–in-situ-Hybridisierung
(FISH) werden typische karzinomassoziierte chromosomale Aberrationen
noninvasiv durch Fluoreszenz der An-Euploidien der Chromosomen
3, 7, 17 sowie durch Verlust des 9p21-Locus in Urinproben nachgewiesen.
Neben herkömmlichen Verfahren wie der Zystoskopie und
Zytologie weist die FISH-Methode im Vergleich zur Zytologie
eine hohe Sensitivität und vergleichsweise hohe Spezifität sowohl zur Diagnose
als auch zum frühzeitigen Nachweis eines Blasenkarzinom-Rezidivs
auf. Halling et al. erzielten eine Sensitivität von 36% für gut
differenzierte (G1), 76% für mäßig differenzierte (G2) und 96% für entdifferenzierte
Tumoren (G3). Die Spezifität betrug 96%.
Indikation:
- Klärung von zytologischen Atypien
- Bestätigung zytologisch positiver Befunde bei fehlendem
zytoskopischen Korrelat
- Frühzeitige Diagnose von Rezidiven in der Tumornachsorge
- Bessere Abschätzung des Rezidivrisikos nach Resektion
eines Urotheltumors
Material:
- bitte keinen Morgenurin verwenden
- vor dem Entleeren ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr
erforderlich
- zur Erhöhung der Zellzahl ist eine körperliche Aktivität
des Patienten nach dem Trinken und vor dem Entleeren der Blase hilfreich
(Treppensteigen, Massage des unteren Bauchbereichs etc.)
- Mittelstrahlurin (ca. 100 ml) in einem
Gefäß auffangen und anschließend in zwei mit Konservierungsflüssigkeit
vorbereitete 50 ml-Probengefäße überführen. Die Probengefäße können Sie
bei uns im Labor anfordern.
- Probe sollte möglichst taggleich (Montag– Donnerstag,
bitte nicht freitags sowie vor Feiertagen) im Labor eintreffen, ggf. im
Kühlschrank zwischenlagern.
Abrechungshinweis:
EBM: 11310 und 3 x 11312 - budgetfreie Abrechnung
nach Kapitel 11 EBM
GOÄ: 4873 1,8facher Satz
Literatur:
1.) Halling K et al., J Urol , 2002, 167: 2001-06
2.) Sarosdy MF et al., J Urol, 2006,
176 (1): 44-7
3.) Bubendorf L et al, Am J Clin Pathol, 2001, 116: 79-86
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Diagnostik des primären Hyperaldosteronismus
mittels Aldosteron-Renin Quotient
Juni 09
(PDF-Dokument
)
Häufigste sekundäre Ursache der arteriellen Hypertonie
ist der primäre Hyperaldosteronismus (PHA), Conn-Syndrom. Betroffen
sind neueren Studien zufolge 5 - 12 % aller Hypertoniker. Dabei hat sich
herausgestellt, dass bis zu 90 % der Patienten normokalämisch sind.
Das Fehlen einer Hypokaliämie schließt einen primären Hyperaldosteronismus
also nicht aus!
Allgemeines
Ein PHA wird in mehr als 90 % durch ein Aldosteron-produzierendes
Adenom oder durch eine idiopathische beidseitige Nebennieren-hyperplasie
ausgelöst.
Aldosteron ist ein Mineralkortikoid und wird in der Nebennierenrinde gebildet.
Aldosteron bewirkt eine Wasser- und Natriumretention. Die Aldosteronseretion
unterliegt dem Renin-Angiotensin-Aldosteron-System, einem Schlüssel-mechanismus
der Blutdruckregulation.
Als bester Screening-Test gilt derzeit die Bestimmung des Aldosteron-Renin-Quotienten
(ARR). Beim PHA ist die normale Abhängigkeit des Aldosterons vom Renin
aufgehoben und Aldosteron disproportional in Relation zum Renin erhöht.
Weiterhin wird die Reninsekretion durch die von Aldosteron induzierte renale
Natrium- Resorption gehemmt.
Ein ARQ > 50 ist als potentiell pathologisch zu betrachten (Sensitivität
89%, Spezifität 96%).
Die Aldosteron-Konzentration muß dabei als zusätzliches Kriterium
berücksichtigt werden, beim Conn-Syndrom liegt sie im oberen Normbereich
oder darüber. Bei einem pathologischern ARQ ist ein Bestätigungstest
angezeigt (z.B. Kochsalzbelastungstest).
Vorteile
Der Aldosteron-Renin-Quotient ist ein Parameter, der
im Gegensatz zur Bestimmung der E inzelparameter nicht durch salzhaltige
Nahrung oder Abnahmebedingungen (Körperposition) beeinflusst wird.
Indikationen
- Therapieresistente Hypertonie
(mindestens 3 Medikamente und RR
> 140/90)
- junge Hypertoniker (< 40 J)
- Hypokaliämische Hypertonie
- Zufällig entdeckter Nebennierentumor und
Hypertonie
Präanalytik
Blutabnahme morgens nach 10 minütiger Ruhepause
am sitzenden Patienten, Nüchternheit nicht notwendig.
Ein Pausieren antihypertensiver Medikamente ist notwendig
bei:
1 Woche ß-Rezeptoren-Blocker Imidazolinrezeptorantagonisten
(z.B. Clonidin)
Schleifendiuretika
Angiotensin-II-Antagonisten
4 Wochen Spironolacton, Eplerenon,
Drospirenon
Erlaubt sind: Thiaziddiuretika, ACE-Hemmer, α-Blocker,
Calciumantagonisten
Material
1 ml EDTA-Blut und 1 ml Serum.
Bei Anforderung von Aldosteron, Renin und ARQ wird der Aldosteron-Renin-Quotient
aus unseren Ergebnissen berechnet.
Literatur
Diederich et al., Med Klin 2007; 102:16-22
Schirpenbach et al., Dtsch Arztebl 2009; 106(18):305-11
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Zunahme von Hantaviren-Infektionen
August 07
Das Robert-Koch-Institut vermeldet für die erste
Jahreshälfte 2007 eine massive Zunahme von insgesamt 526 gemeldeten
Hantaviren-Infektionen. Das sind im Vergleich zu den Vorjahren 7 mal mehr
registrierte Erkrankungsfälle. Die meisten Fälle wurden aus dem
süddeutschen Raum, Bayern und Baden-Württemberg, aber auch aus
Niedersachsen, Hessen und Sachsen übermittelt.
Erreger
Hantaviren gehören zur Familie der Bunyaviridae. Diese sind weltweit
verbreitet. Der im Süden und Westen Deutschlands vorherrschende Typ
ist der Puumalavirus, im Norden und Osten der Dobravavirus. Die Erreger
werden über Tierausscheidungen von asymptomatisch infizierten Nagetieren
(v.a. Mäuse) auf den Menschen übertragen.
Die Übertragung erfolgt durch Inhalation virushaltiger Aerosole, durch
den Kontakt der verletzten Haut mit kontaminiertem Staub oder durch Bisse.
Der Zuwachs an Erkrankungsfällen beim Menschen ist vermutlich auf
den milden Winter und den damit verbundenen Zuwachs an Nagetierpopulationen
zurückzuführen.
Eine Übertragung von Hantaviren von Mensch zu Mensch
findet bei den in Europa vorherrschenden Virustypen nicht statt. Die Inkubationszeit
beträgt ca. 2-4 Wochen.
Symtomatik
Je nach Virsutyp können unterschiedlich schwere
Krankheitsbilder auftreten. Meist beginnt die Erkrankung mit abrupt einsetzendem,
3-4 Tage andauerndem Fieber. Begleitend können unspezifische grippeähnliche
Symptome auftreten.
Die in Europa vorherrschenden Virustypen können ein hämorrhagisches
Fieber mit renalem Syndrom (HRFS) hervorrufen.
Die milde Verlaufsform wird als Nephropathia epidemica bezeichnet Die Letalität
beträgt bei moderaten-schweren Formen 5 – 15%. Es besteht Meldepflicht
nach § 7 IfSG.
Hinweise auf ein mögliches HRFS sind:
- akuter Krankheitsbeginn mit Fieber > 38,5°
- Rücken- und/oder Kopf- und/oder
- Abdominalschmerz
- Proteinurie und/oder Hämaturie
- Serumkreatinin-Erhöhung
- Thrombozytopenie
- Oligurie bzw. Polyurie
Diagnostik
Serologie: Nachweis von IgM- und IgG- Antikörpern.
Bitte beachten Sie die Ausnahmekennziffer 32006.
Therapie
Symptomatisch. In einzelnen Fällen erwies sich
die frühzeitige Therapie mit Ribavirin als erfolgreich. Präventive
Maßnahmen: Bekämpfung von Mäusen und Ratten, allgemeine
Hygienemaßnahmen.
Literatur
1.) Epid Bull: Hantavirus-Erkrankungen:
Zur Zunahme der Erkrankungsfälle in Deutschland 2007, 24/07
2.) Robert Koch Institut, Ratgeber
Infektionskrankheiten, Merkblätter für Ärzte, Stand September
2006
3.) Vapalahti O. et al : Hantavirus
infections in europe Lancet Infect Dis, 2003, 3(10) 653-61;
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Borreliose
Juni 07
Erreger
Die Borreliose ist eine Infektionskrankheit, die durch den Stich der Schildzecke
(Holzbock) übertragen wird.
Die Erreger der Borreliose sind Borrelien (Borrelia burgdorferi sensu lato),
schraubenartige Bakterien, die denen der Syphilis ähnlich sind. In
Europa kommen vier für den Menschen gefährliche Arten vor: Borrelia
burgdorferi sensu stricto, Borrelia afzelii, Borrelia garinii und Borrelia
spielmanii.
Die Borrelien befinden sich im Darmtrakt der Zecke und werden während
des Blutsaugens übertragen. Die Dauer dieser Blutmahlzeit ist wesentlich
für die Übertragung der Borrelien. Die kritische Saugzeit
liegt bei ca. 12 Stunden. Aber auch, wenn die Zecke schon früher abfällt
oder ärztlich entfernt wird, ist eine Infektion möglich. Den
Stich der Zecke bemerkt man in der Regel nicht, da während des Stichs
ein lokal wirksames Betäubungsmittel von der Zecke abgesondert wird.
Krankheitserscheinungen
Die Erreger rufen eine Multisystemerkrankung hervor,
die Haut, Gelenke, Herz, Nervensystem und Augen betreffen können.
Die häufigste Frühform der Borreliose ist die
Wanderröte (Erythema migrans), die jedoch nur in ca. 40 % der Fälle
auftritt. Tage bis Wochen nach dem Zeckenstich bildet sich eine ringförmige
Hautrötung, die mit der Zeit in ihrem Zentrum abblasst und durch die
Wanderung des roten Randes langsam größer werdend schließlich
kaum mehr zu erkennen ist. An wenig zugänglichen Körperstellen
wird sie oft nicht bemerkt. Zusätzlich können Allgemeinsymptome
wie z.B. Fieber, Muskel- und Kopfsschmerzen und selten auch Nackenversteifungen
(Meningismus) auftreten. Eine besondere Reaktionsform der Haut ist eine
blau-rötliche Schwellung – das Borrelien-Lymphozytom –
bevorzugt an Ohrläppchen, Brustwarzen oder Hoden.
Erweiterte Frühformen der Borreliose
Häufigste Krankheitsbilder sind mit oder ohne Lokalbefund eine Gelenkentzündung
(Arthritis) Nachtschweiß, Muskel- und Gelenkschmerzen, Nervenentzündungen
(Neuritiden) bis hin zur Gesichtslähmung (Facialsilähmung), Schwindelattacken,
Sehstörungen, Kopfschmerzen und vielfache Hautrötungen (polytype
Erytheme). Die genannte Arthritis kann ein oder mehrere Gelenke betreffen
und kann wechselnd oder chronisch verlaufen. Akute Krankheitsphasen können
sich mit symptomfreien Perioden abwechseln.
Spätformen der Borreliose
Auch hier sind die häufigsten Krankheitsbilder ebenfalls die Arthritis
und die fortgeschrittene Neuroborreliose.
Diese zeigt sich gemeinhin als Hirnhautentzündung und Entzündung
der Nervenwurzeln (lymphozytäre Meningoradikulitis). Leitsymptome
sind das radikuläre Schmrezymptom – charakterisiert durch quälende,
brennende Schmerzen vor allem nachts – und / oder Hirnnervenlähmungen
(Facialsiparese). Bei Kindern findet sich häufiger als bei Erwachsenen
eine isolierte Gesichtslähmung oder auch eine Meningitis.
Später kann es besonders nach Infektionen mit Borrelia afzelii zur
sogenannten Acrodermatitis athrophicans (ACA) kommen. Die ACA zeigt sich
nach Monaten oder auch Jahren durch charakteristische Veränderungen
wie hauchdünne, faltige, verfärbte Haut und plastisch hervorgetretene
Gefäße.
Die ACA wird praktisch nur in Europa beobachtet. Sehr selten ist die chronisch
fortschreitende Borrelien-Enzephalitis mit multiplen Lähmungserscheinungen.
Prophylaxe
Anders als gelegentlich behauptet, lassen sich die
Zecken nicht von Bäumen fallen.
Sträucher oder Gräser bis zu einem Meter sind der Lebensraum
der Zecken.
Dabei halten sie sich am liebsten an Wegrändern auf. Dort werden sie
sowohl von vorüberkommenden Tieren (Rehe, Mäuse, Hunde, Katzen)
als auch von Menschen mitgenommen. Die wirksamste Prophylaxe gegen die
Borreliose ist die Vermeidung des Zeckenstiches. Geschlossene Kleidung
der Beine – dunkle Kleidung ist sicherer als helle – und Repellents
wie z.B. Autan® sind zu empfehlen. Repellents sind gegen Zecken für
ca. 2 Stunden wirksam.
Nach Aufenthalt in freier Natur und Parkanlagen sollte der Körper
besonders bei Kindern nach Zecken abgesucht werden, dabei auf Kopfbefall
achten!
Eine rasche Entfernung der Zecke
ist notwendig! Zur Erinnerung: Das Risiko der Übertragung von Borrelien
nimmt mit der Dauer des Saugens zu; die kritische Saugzeit liegt bei ca.
12 Std.! Zur Entfernung der Zecke soll sie am Kopf mit einer spitzen Pinzette,
Zeckenzange oder Zeckenkarte gefasst werden (kein Öl!).
Wichtig ist hierbei, dass die Zecke nicht zerdrückt wird, da dadurch
erst die Borrelien aus dem Darm der Zecke in die Einstichstelle gelangen.
Reste der Zecke können belassen werden und fallen i.d.R. später
von selbst ab. Die Einstichstelle muß desinfiziert und fortan beobachtet
werden.
Diagnose und Therapie
Aus Anamnese, Lokalbefund, der Art der Erkrankung und
den Ergebnissen des Labortests – hier vor allem durch die Bestimmung
von Antikörpern aus dem Venenblut – wird die Diagnose gestellt.
Antikörper gegen Borrelien können frühestens 10 –
20 Tage nach dem Zeckenstich, oft erst Wochen später, nachgewiesen
werden. Zuerst treten Antikörper der Klasse IgM auf. Spätestens
dann sollte mit einer spezifischen Antibiotikatherapie begonnen werden.
In besonderen Fällen kann es sinnvoll sein, direkt nach Entfernung
der Zecke eine Tagestherapie mit einem Antibiotikum durchzuführen.
Je nachdem, gegen welche Borrelienbestandteile Antikörper nachgewiesen
werden, ist eine Aussage über den Fortgang der Erkrankung zusammen
mit den Beschwerden und Symptomen möglich.
Je nach Krankheitsverlauf gibt es verschiedene Antibiotika-Empfehlungen.
Diese sind i.d.R. auf den Befundberichten des Labors ausführlich beschrieben.
Ihr Arzt wird die für Sie richtige Therapie auswählen.
Kompetenzzentrum Borreliose
Bei weiteren Fragen wenden Sie sich bitte telefonisch
oder via E-Mail an unser Kompetenzzentrum Borreliose an
einem unserer Med.-Lab. Standorte.
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Chimärismus-Bestimmung nach allogener Stammzelltransplantation
Für viele hämatologische und onkologische
Erkrankungen ist die Transplantation allogener (d.h. von derselben Species
stammender) Blutstammzellen (Knochenmarks- oder periphere Stammzell-Transplantation)
die einzige kurative Therapiemöglichkeit.
Komplikationen im Posttransplantationsverlauf (Transplantatversagen, Rezidiv
der Grunderkrankung) müssen frühzeitig erkannt werden. Dazu wird
die Spender-Chimärismus-Analyse (Verhältnis Spender- zu Empfänger-Zellen)
als wichtiges diagnostisches Verfahren eingesetzt.
Nach allogener Stammzelltransplantation entwickelt sich zunächst temporär
eine Koexistenz von Spender- und Empfängerblutzellen (gemischter Chimärismus),
die bei erfolgreicher Transplantation in einen kompletten Spender-Chimärismus
übergeht, d.h. in einer peripheren Blutprobe oder im Knochenmark sind
keine Empfänger-Blutzellen mehr nachweisbar.
Seit Einführung der allogenen Stammzelltransplantation als Therapieverfahren
vor mehr als 30 Jahren wurden verschiedene zunächst jedoch nicht sehr
sensitive Verfahren angewandt bzw. entwickelt wie Morphologie, Zytogenetik,
Isoenzymanalysen, Blutgruppenbestimmungen u.a.. Eine Verbesserung stellte
die Differenzierung der Geschlechtschromosomen x/y mittels FISH (Fluoreszenz
in situ – Hybridisierung) dar.
Diese ist jedoch nur bei nicht gleichgeschlechtlicher Transplantation möglich.
Die Entwicklung der Polymerase-Ketten-Reaktion (PCR) war die Grundlage für
moderne molekulare Techniken der Chimärismus-Analyse. Die bei uns (in
Kooperation mit AgenDix GmbH Dresden) angewendete Methode basiert auf der
PCR-Amplifikation repetitiver DNA-Sequenzen (short tandem repeats = STR),
typischerweise in den nichtkodierenden Abschnitten (Introns).
Diese 3-5 Basenpaare langen DNA-Abschnitte werden nach der Isolierung der
DNA aus dem peripheren Blut (Leukozyten) oder aus dem Knochenmark in einer
Multiplex-PCR amplifiziert und anschließend auf einem automatischen
DNA-Sequenziergerät analysiert.
Die Methode wurde ürsprünglich für die forensische Medizin
entwickelt (genetischer Fingerabdruck) und ermöglicht eine hohe Diskriminierbarkeit
von Individuen.
Material: Antikoagulans: jeweils Li-Heparin oder EDTA
Empfänger: einmalig (vor Transplantation): peripheres
Blut oder Knochenmark, falls kein Material vor Transplantation abgenommen
wurde bzw. keine Spender-Blutprobe vorliegt: Mundschleimhautabstrich (vorherige
Mundspülung!)
mehrmals (nach Transplantation zu verschiedenen Kontrollzeitpunkten): periphe-res
Blut (10-20 ml je nach Zellzahl) oder Knochenmark (1-2 ml)
Spender: einmalig: peripheres Blut
Postversand ist möglich. Ab 50 Tage nach Transplantation werden die
Kosten auch bei ambulanten gesetzlich versicherten Patienten von den Krankenkassen
übernommen. Literatur
1. Thiede C., et al: Strategies and Clinical
Implications of Chimerism Diagnostics after allogenic stem cell transplantation,
Acta Haematologica 2004; 112: 16-23
2. Thiede C: Diagnostic chimerism analysis after allogenic stem cell transplantation:
new methods and markers, Am J Pharmacoge-nomics 2004; 4: 177-187
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S100: Tumormarker für das maligne Melanom
S- Marker für zerebrale Schädigung -
Hintergrund:
Trotz aller Früherkennungsprogramme versterben
immer noch ca. 20 % der Melanompatienten an der Krankheitsprogression.
Daher sind Laboruntersuchungen zum Ausschluss von Metastasen, die den Patienten
nur wenig belasten, von besonderem Interesse.
S100 gehört zu einer multigenetischen Familie Kalziumbindender, regulatorischer
Proteine.
S100A1 und S100B werden von Melanomzellen sowie Zellen des ZNS und in geringerem
Ausmaß auch von anderem Gewebe exprimiert.
Indikation:
- malignes Melanom: zur Prognoseeinschätzung, Therapiekontrolle
und Nachsorge (serielle Messungen, s.u.).
- Differenzialdiagnostische Unterstützung bei CUP
(Cancer of Unknown Primary).
- Hilfe beim Management von Patienten nach potentieller
Hirnschädigung zusammen mit weiteren klinischen Informationen und
bildgebenden Verfahren.
Bewertung:
Die S100 Freisetzung ins Serum beim malignen Melanom
ist stadienabhängig und spiegelt die Tumormasse wieder. Patienten
in fortgeschrittenen Stadien weisen höhere Konzentrationen auf. Ansteigende
S100-Konzentrationen können eine Krankheitsprogression ca. 5-23 Wochen
vor klinischen oder radiologischen Methoden detektieren. Insbesondere bei
Patienten im Stadium III weisen ansteigende S100-Serumkonzentrationen auf
Fernmetastasen hin. Eine erfolgreiche Therapie führt zu einem signifikanten
Rückgang der S100-Konzentrationen. Patienten mit normalen S100-Werten
weisen ein signifikant längeres Überlebensintervall auf, als
Patienten mit erhöhten Werten.
Daneben kann nach zerebraler Schädigung mit Störung der Blut-Hirn-Schranke
die S100-Konzentration im Serum ansteigen.
Untersuchungsintervalle bei Melanomen:
Im Stadium I und II ist eine präoperative Bestimmung
indiziert.
Unten stehende Tabelle zeigt die aktuelle Empfehlung für die Labornachsorge
kutaner maligner Melanome (AWMF-Leitlinie):
Stadium und
Tumordicke |
Protein S100-
Bestimmung: 1. - 5. Jahr |
| I, < 1mm |
Keine |
| I+II, > 1 mm |
Alle 3 - 6 Monate |
| III |
Alle 3 - 6 Monate |
| IV |
Individuell |
Material:
Serum.
Bestimmungsmethode:
Immunoassay zur Detektion von S100 (S100A1B und S100B).
Grenzwert:
Die Werte im Serum liegen bei 95% der gesunden Kontrollpersonen
unter 0,105 µg/L.
Abrechnung:
EBM: 32405
GOÄ: A3911H3.
Literatur
1.) Thomas L.: Labor und Diagnose. 2005,
TH-Books
2.) Harpio R. et al.: S100 proteins as cancer bio-markers with focus on
S100B in malignant melanoma. 2004, Clin Biochem, 37: 512-518
3.) AWMF-Leitlinien, Interdisziplinäre Leitlinien der Deutschen Krebsgesellschaft
und der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft 02/2005.
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Tumormarker NMP22
• Screening des Harnblasen-Karzinoms
• Verlaufskontrolle nach Therapie
Häufigkeit des Harnblasen-Karzinoms
Pro Jahr erkranken in Deutschland ca. 11000 Männer
und ca. 6000 Frauen. Die Häufigkeit steigt mit dem Alter und erreicht
einen Gipfel im 60. bis 70. Lebensjahr.
Symptome
Im Frühstadium können Betroffene symptom- und beschwerdefrei
sein. Später können Blutspuren im Urin (Mikrohämaturie), lokale Schmerzen
oder Beschwerden beim Urinlassen auftreten (Dysurie).
Die Mikrohämaturie ist auch Symptom bei anderen Erkrankungen der Nieren
oder der Harnwege. Die Rotfärbung des Urins durch Beimengung größerer Blutmengen
(Makrohämaturie) spricht eher für eine Tumorblutung.
Früherkennung
Die Früherkennung ist möglich durch die Suche nach
dem nukleären Matrix-Protein 22 im Urin (NMP22), das von Blasenkarzinomen
gebildet und mit dem Urin ausgeschieden wird. Es kann im Urin bereits nachgewiesen
werden, ehe andere Symptome auf den Tumorprozess hinweisen. Mehr als 80%
der Betroffenen können durch den Nachweis des NMP22 erkannt werden.
In den USA hat die zuständige Behörde (FDA) den Test als Screening-Untersuchung
auf Karzinome urothelialen Ursprungs zugelassen, neben seiner
Anwendung bei der Therapieüberwachung und bei der Tumor-Verlaufskontrolle.
Risikogruppen
Risikogruppen sind Raucher, Patienten mit jahrelangem
Schmerzmittelkonsum oder chronischer Blasenentzündung, zudem Berufsgruppen,
die chronisch mit Chemikalien belastet sind (aromatische Amine) wie Friseure,
Tankwarte, Fernfahrer, Maler, Beschäftigte der chemischen Industrie, der
Leder-, Gummi- und Metall-Industrie.
Nachsorge
Die regelmäßige Untersuchung auf NMP22 ist Standard
bei der Nachsorge und Verlaufs-kontrolle behandelter Patienten.
Material
Frischer Morgen-Urin und ein
Röhrchen mit Stabilisatorlösung, das vom Labor zur Verfügung gestellt
wird.
Der Urin wird in einem Plastikbecher aufgefangen (kein
Glas verwenden!). Danach wird das Röhrchen, das die Stabilisatorlösung
enthält, sofort bis zur Markierung mit Urin gefüllt.
Bei unterlassener oder falscher Anwendung des Stabilisators kann ein zuverlässiges
Untersuchungsergebnis nicht erwartet werden.
Falsch-positive Ergebnisse
Erhöhte Werte werden auch gefunden bei Entzündungen
der Blasenschleimhaut, bei Reizzuständen der Blase durch Steine, Katheteranwendung,
Blasenspiegelung, Blasen-OP oder Chemotherapie. Solange diese Zustände
anhalten, sollte der Test nicht für ein Tumor-Screening eingesetzt werden.
Kosten
Die Kosten des Tests werden derzeit nicht von den gesetzlichen
Krankenkassen erstattet. Der Test kann als IGeL in Auftrag gegeben werden,
wobei die Kosten von dem Patienten selbst zu tragen sind.
Abrechnung nach GOÄ, Ziffer A3911.H3, 26,23 Euro.
Literatur
Kann auf Anfrage zur Verfügung gestellt
werden.
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Freie Leichtketten im Serum
Verbesserte Diagnostik
und Verlaufskontrolle monoklonaler Gammopathien
Juni 2006
Hintergrund:
Anhand der monoklonalen Gammopathie wird eine Gruppe
von Non-Hodgkin-Lymphomen beschrieben, deren Merkmal die Überexpression
eines Plasmazellklons ist. Die monoklonalen Immun-globuline (Paraproteine)
bestehen aus Schwerketten (α, δ, ε, γ oder μ)
sowie den dazu korrespondierenden Leichtketten kappa κ oder lambda
λ.
Die Leichtketten können gebunden an ihre korrespondierende
Schwerkette oder auch frei aus der Plasmazelle ins Serum sezerniert werden.
Nach dem Erstbeschreiber werden monoklonal synthetisierte freie Leichtketten
im Urin historisch als Bence-Jones-Proteine (BJP) bezeichnet.
|
|
Abb.
1: Grundstruktur eines Immunglobulins am Beispiel des IgG:
γ Schwerkette,
κ oder λ Leichtkette |
Diagnostik:
Eine monoklonale Gammopathie zeigt sich meist durch das
Auftreten eines schmalbasigen Extragradienten in der Serum-Protein-Elektrophorese.
Mittels Immunfixationselektrophorese (IFE) im Serum oder Urin können
die monoklonalen Paraproteine qualitativ bestätigt werden.
Mit der Bestimmung der Gesamt-Leichtketten (frei und gebunden)
in Serum und Urin war bisher eine Quantifizierung in hohen Konzentrationsbereichen
möglich.
Diese Methoden sind allerdings aufgrund ihrer relativ hohen Nachweisgrenzen
in ihrer Sensitivität limitiert und können, insbesondere bei
Patienten mir geringer Ausscheidung von Paraproteinen (MGUS, Residuen,
Rezidiv, nicht-sekretorisches MM, Leichtketten MM, AL-Amyloidose), oft
falsch negativ sein.
Durch die neue hochsensitive, quantitative
Bestimmung von freien Leichtketten im Serum und Urin verbessert sich die
Diagnostik monoklonaler Gammopathien deutlich. Aufgrund
der niedrigen Nachweisgrenze von 10 mg/l, der kurzen Halbwertszeit von
2-6 h und der Unabhängigkeit von der Nierenfunktion stellt die Bestimmung
der freien Leichtketten eine wichtige Ergänzung, sowohl bei der Diagnostik
als auch bei Verlaufs- und Therapiekontrolle von monoklonalen Gammopathien,
dar und sollte daher bei folgenden Indikationen stets in Kombination mit
der Elektrophorese/IFE durchgeführt werden:
- Monoklonale Gammopathie mit unbestimmter Signifikanz
(MGUS):
Eine Krankheitsprogression kann durch die Bestimmung der freien Leichketten
rechtzeitig erkannt werden.
- Multiples Myelom (MM):
Bei ca. 95% der MM Patienten sind freie Leichtketten im Serum nachweisbar.
- Leichtkettenmyelom (LCCM):
Leichkettenmyelome produzieren ausschließlich freie Leichtketten
und sind in der Elektrophorese negativ. Der Nachweis der freien Leichketten
in der IFE im Urin ist erst möglich, wenn die Resorptionskapazität
im proximalen Nierentubulus überschritten ist.
- Nicht-sekretorisches MM:
Nicht-sekretorische MM zeigen eine unauffällige IFE, sezernieren
aber in 50-70% der Fälle geringe Mengen an freien Leichtketten.
- AL-Amyloidose:
Die Amyloidfibrillen bestehen aus monoklonalen Leichtketten, die durch
die Bestimmung der freien Leichtketten detektiert werden.
Empfohlene Labordiagnostik:
Diagnose: freie
Leichtketten im Serum, ggf. Urin, Elektrophorese, Immunfixationselektrophorese
(Serum, ggf. Urin)
Verlaufs-/Therapiekontrolle:
freie Leichtketten, Elektrophorese, IFE, Blutbild,
LDH, Ca, Immunglobuline quantitativ, Beta-2-Mikroglobulin im Serum, Thymidinkinase,
ggf. Proteinurie-differenzierung, ggf. Beta-Cross-Laps i.Serum, Knochenmarkzytologie.
Material: 2 ml Serum, ggf.
2 ml Urin
Abrechnungshinweis:
EBM: 32446/32447 8,70 €, GOÄ: A3911 H3 26,23
€
Literatur:
Thomas, Labor und Diagnose, 2005, TH-Books
Verlagsgesellschaft
- Lamerz R: Diagnostik von monoklonalen Gammopathien.
J Lab Med, 2003, 27: 8 – 15
- Mead GP et al.: Serum free light chains for
monitoring multiple myeloma. Br J Haemato, 2004, 126: 348 - 354l
- Abraham RS et al.: Correlation of serum immunoglobulin
free light chain quantifiction with urinary Bence Jones Protein in Light
Chain Myeloma. Clin Chem, 2002, 48: 655-657
- Nowrousian MR et al.: Serum free light chain
analysis and urine immunofixation electrophoressis in patients with multiple
myeloma. Clin Cancer Res, 2005, 11: 8706-14
- Katzmann JA et al.: Diagnostic performance
of quantitative κ and λ free light chain assays in clinical
practice. Clin Chem, 2005 (51): 878-881.
- Guidelines on the diagnosis and management
of AL amyloidosis. Br J Haematol, 2004 (125): 681-700
- Raijkumar SV et al.: Serum free light chain
ratio is an independent risk factor for progression in monoclonal gammopthy
of undeterminded significance. Blood, 2005, (106): 812-817
- Katzmann JA et al.: Serum reference intervals
and diagnostic ranges for free κ and free λ immunglobulin
light chains: relative sensitivity for detection of monoclonal light chains.
Clin Chem, 2002 (48): 1437 - 1444
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Molekularbiologischer Nachweis der BCR-ABL-Genrearrangements
bei Leukämien
ALLGEMEINES
Die CML ist eine klonale Erkrankung der pluripotenten
hämatopoetischen Stammzelle, die in 90-95% der Patienten durch eine
charakteristische Translokation t(9; 22) gekennzeichnet ist. Diese findet
sich auch bei ca. 25% der Erwachsenen bzw. 5% der Kinder mit einer ALL
und bei <5% der Patienten mit einer AML (1,2).
Die CML benötigt von der BCR-ABL-Translokation über
die Entwicklung aus einer monoklonalen Stammzellentartung bis zur Diagnosestellung
ca. 6 Jahre. Mit der Einführung des Tyrosinkinaseinhibitors Imatinib
(Glivec), hat sich eine neue Ära in der Therapie von Patienten mit
CML eröffnet (3).
PATHOGENESE
Die reziproke Translokation (=Umlagerung eines Bruchstückes) erfolgt
vom Chromosom 9 zum Chromosom 22. Das entstehende Chromosom wird Philadelphia
Chromosom genannt. Durch die Umlagerung des auf Chromosom 9 lokalisierten
ABL-Gens (ABL-Tyrosinkinase, nach dem Beschreiber Abelson) in die auf Chromosom
22 gelegene Region des BCR-Gens (BCR= Breakpoint Cluster Region) resultiert
ein BCR-ABL-Fusionsgen. Dies führt zur Bildung einer hyperaktiven
Tyrosinkinase, die eine verstärkte Proliferation mit gleichzeitiger
Hemmung des programmierten Zelltodes (Apoptose) in den hämatopoetischen
Vorläuferzellen induziert. In Abhängigkeit von der Translokationsbruchstelle
des Wildtyp-BCR-Gens entstehen die beiden CML-typischen Fusionstranskripte
b2a2 (Fusionsprotein p210) und b3a2 (Fusionsprotein p210) oder die ALL-typische
- Variante e1a2 (Fusionsprotein p190), siehe auch Abbildung 1. Es wird
angenommen, dass das Fusionsprotein p190 eine erhöhte Tyrosinkinaseaktivität
besitzt und daher mit einem aggressiveren Verlauf assoziiert ist (2).
5-10% der Patienten mit CML weisen variante Philadelphia
- Translokationen oder einen unauffälligen Chromosomensatz auf. Bei
Patienten mit CML und zytogenetisch normalem Karyotyp können, vermutlich
aufgrund submikroskopischer Insertionen, BCR-ABL-Transkripte nachgewiesen
werden (4).

Abb. 1.: Entstehung des Philadelphia-Chromosoms
durch reziproke Translokation. Durch Verlust des Exon 1a fusionieren die
BCR Exons direkt an ABL Exon a2. Die daraus resultierenden Fusionstranskripte
enthalten die Tyrosinkinase-Domäne des ABL-Gens und variable Anteile
des BCR-Gens. Modifiziert nach 2.
PCR-NACHWEIS DES BCR-ABL-GENARRANGEMENTS:
Mittels PCR ist der Nachweis von einer BCR-ABL-positiven
Zelle unter 100.000 – 1.000.000 normalen Zellen, durch millionenfache
Vermehrung von BCR-ABL-Genrearrangements möglich. Der Test detektiert
mit b3a2, b2a2, e1a2 sowie mit den selteneren Varianten b2a3 und b3a3 mehr
als 95% aller beschriebenen Fusionstranskripte. Bei der quantitativen Real-Time-PCR
zur Therapie-Kontrolle werden zur Standardisierung der Ergebnisse und zur
Qualitätssicherung konstitutiv exprimierte Gene (housekeeping-Gen),
wie z.B. ABL oder G6PDH für jede Probe parallel mitquantifiziert.
Die Ergebnisse werden als Quotienten BCR-ABL/housekeeping-Gen ausgedrückt.
- DIAGNOSE
Bei der Erstdiagnose sollte eine konventionelle Zytogenetik
erfolgen, um auch variante bzw. zusätzliche zytogenetische Defekte,
welche Auswirkung auf Diagnose und Prognose haben zu detektieren (2).
Zusätzlich sollte eine molekulare Diagnostik durchgeführt werden,
um das Ergebnis mit einer zweiten Methode zu bestätigen.
- PROGNOSTISCHE FAKTOREN
Patienten mit Philadelphia-negativer,
BCR-ABL-positiver CML unterscheiden sich weder klinisch
noch hämatologisch von Patienten mit klassischer Philadelphia - Translokation
(5). Eine Philadelphia-negative, BCR-ABL-negative
CML gilt als prognostisch ungünstig (12). Der Nachweis von BCR-ABL
bei ALL gilt als prognostisch ungünstig (2).
- THERAPIEMONITORING
Die Prognose der CML-Patienten ist abhängig
vom Erreichen einer minimalen Tumorlast unter Therapie. Neben den herkömmlichen
hämatologischen und zytogenetischen Kontrollen ist der klinische
Wert der Real-time PCR, aufgrund der hohen Sensitivität zur Detektion
und Verlaufskontrolle einer Minimalen Resterkrankung (MRD) hoch (6). Ein
negatives PCR-Ergebnis kann ggf. mittels der sensitiveren nested PCR bestätigt
werden.
Im Vergleich zur Zytogenetik ist auch ein Monitoring von
Patienten mit Philadelphia-negativer, BCR-ABL-positiver CML möglich.
► Monitoring nach Stammzelltransplantation:
In den meisten Studien konnte gezeigt werden,
dass in den ersten 6 Monaten nach Stammzelltransplantation BCR-ABL bei den
meisten CML-Patienten noch nachweisbar ist. Das Risiko ein Rezidiv zu erleiden
ist erhöht, wenn der PCR-Nachweis nach den 6 Monaten positiv verbleibt
(4). In der Verlaufskontrolle können mit Hilfe der quantitativen PCR
wieder zunehmende oder hohe BCR-ABL-Transkripte schon Monate vor einem klinischen
Rezidiv nachgewiesen werden. Dadurch wird rechtzeitig ein therapeutisches
Einschreiten, z.B. Transfusion von Spenderlymphozyten, ermöglicht.
Nicht nachweisbare, niedrige oder abfallende Konzentrationen sind dagegen
ein Hinweis auf Remission (7,8). Nach erfolgreicher
KM-Transplantation kann bei ALL-Patienten BCR-ABL in der Regel nach 6 Wochen
nicht mehr nachgewiesen werden. Eine Persistenz ist mit einem hohen Rezidivrisiko
assoziiert (2).
► Monitoring unter Therapie mit Imatinib:
Der Nachweis von BCR-ABL stellt eine
Indikation für eine Therapie mit Imatinib (Glivec) dar. Während
einer Therapie mit Imatinib fallen in der Regel die residualen Leukämiezellen
unter die zytogenetische Nachweisgrenze bei Verwendung von Knochenmarkaspiraten
als Untersuchungsmaterial (6). Mit Hilfe der quantitativen PCR kann das
Ausmaß des molekularen Ansprechens der Imatinib-Therapie bei CML-Patienten
und damit eine Remission bzw. ein Rezidiv frühzeitig erkannt werden
(6):
Eine Reduktion der BCR-ABL-Transkripte um drei Größenordnungen
ist in der chronischen Phase mit einer guten Prognose
assoziiert. In der fortgeschrittenen Phase besteht die
Gefahr eines Rezidives trotz gutem molekularem Ansprechens (1). Falls keine
deutliche Abnahme der BCR-ABL-Konzentration innerhalb der ersten 6 Monate
nach Therapiebeginn erreicht wird, ist ein dauerhaftes, molekulares Ansprechen
unwahrscheinlich (6). Drohende Rezidive können im Falle eines Anstieges
der MRD um eine Größenordnung erkannt werden (1). Zytogenetische
Untersuchungen, in dreimonatigen Abständen, sollten so lange durchgeführt
werden, bis das Philadelphia Chromosom nicht mehr nachgewiesen werden kann.
Danach werden PCR-Kontrollen alle 3 Monate und zytogenetische KM-Untersuchungen
alle 6 Monate empfohlen (1, 9).
► Therapieresistenz Imatinib
5-10% der Patienten mit neu diagnostizierter
CML weisen unter Therapie mit Imatinib eine primäre bzw. erworbene
Resistenz auf (6). Auch bei ALL-Patienten kann eine Resistenzentwicklung
beobachtet werden. Eine Frühzeitige Identifikation der Resistenz mittels
PCR ist wichtig, um rechtzeitig, z.B. durch Wechsel von Imatinib auf Dasatinib,
intervenieren zu können. Erworbene Therapieresistenzen gegen Imatinib
sind zu 35-90% auf Punktmutationen in der Kinase-Region von BCR-ABL bei
Patienten in fortgeschrittenen Krankheitsphasen zurückzuführen
(6, 10). Eine Indikation zur direkten Sequenzierung bei Verdacht auf Imatinib-Resistenz
besteht bei z.B. 2fachem Anstieg der BCR-ABL Konzentrationen oder bei Hochrisikopatienten
zu Beginn der Imatinib-Therapie (6, 11). Zusätzliche
Chromosomenanomalien im Rahmen der klonalen Evolution der CML fortgeschrittener
Krankheitsphasen können mittels PCR nicht nachgewiesen werden (1).
Diese können mittels vollständiger Chromosomenanalyse (10 ml
unzentrifugiertes Li-Heparinblut) oder, bei spezifischen Fragestellungen,
mittels FISH (Fluoreszenz in situ Hybridisierung) aufgedeckt werden.
MATERIAL:
Erstdiagnosen:
EDTA-Blut: 2 ml, EDTA-Knochenmark: 2 ml Methode: RT-PCR
Verlaufskontrollen:
EDTA-Blut: 2 ml, ggf. EDTA-Knochenmark: 2 ml
Methode: quantitative RT-PCR normiert auf G6PDH
Wir bitten um deutliche Kennzeichnung, ob es sich um eine
Erstdiagnose oder Verlaufskontrolle handelt!
Literatur:
siehe unter www.staber-kollegen.de
1..) Hochhaus A. et al.: Therapie der chronischen myeloischen Leukämie
2004. Dtsch Med Wochenschr, 2004, 129. 2122-2127
2.) Nashed A. et al.: Clinical applications of BCR-ABL molecular testing
in acute leukemia. J M D, 2003, 5: 63-72
3.) O`Brien S. et al.: Imatinib compared with interferon and low-dose cytarabine
for newly diagnosed chonic-phase chronic myeloid leukemia. N Engl J Med,
2003, 348: 994-1004
4) Hochhaus A.: Minimal residual disease in chronic myeloid leukaemia patients.
Best Practice & Research Clinical Haematology, 2002, 15: 159-178
5.) Cortes J. et al.: Philadelphia chromosme-negative chronic myelogenous
leukemia with rearrangement of the breakpoint cluster region. Long-term
follow-up results. Cancer, 1995, 75: 464-70
6.) Hughes T. et al.: Molecular monitoring of BCR-ABL as a guide to clinical
management in chronic myeloid leukaemia. Blood Reviews, 2006, 20: 29-41
7.) Lion T et al.: Early detection of relapse after bone marrow transplantation
in patients with chronic myelogenous leukemia. Lancet, 1993, 341: 275-6
8.)Lin F. et al.: Kinetics of increasing BCR-ABL transcript numbers in
chronic myelid leukemia patients who relapse after bone marrow transplantation.
Blood, 1996, 87: 4473-8
9.) Goldman J.: Monitroing minimal residual disease in BCR-ABL-positive
chronic myeloid leukemia in the imatinib era. Curr Opin Hematol., 2005,
12: 33-9
10.) Hochhaus A. et al.: Molecular and chromosomal mechanisms of resistance
to imatinib therapy, Leukemia, 2002, 16: 2190-2196
11.)Brandford S. et al.: Real-time quantitative PCR analysis can be used
as a primary screen to identify patients with CML treated with imitanib
who have BCR-ABL kinase domain mutations. Blood, 2004, 104: 2926-32
12.) Onida F. et al.: Characteristics and outcome of patients with Philadelphia
chromosme negative, bcr/abl negative chronic myelogenous leukemia; Cancer,
2002, 95(8): 1673-84
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Antikörper gegen Cyclisches citrulliniertes
Peptid (CCP-AK)
Die rheumatoide Arthritis (RA) betrifft ca. 1% der erwachsenen
Bevölkerung und hat eine Inzidenzrate von ca. 30 Fällen pro 100.000
Einwohner. In der Frühphase der Erkrankung ist die Diagnose oft nicht
einfach zu stellen. Die Bestimmung des Rheumafaktors ist nicht immer hilfreich,
da es sowohl RA-Fälle ohne Rheumafaktor-Nachweis also auch andere
Erkrankungen wie Kollagenosen und Infektionen gibt, die mit einem positivem
Rheumafaktornachweis einhergehen können. Einen Fortschritt in der
Labordiagnostik der RA stellen nun die Antikörper gegen das Cyclische
citrullinierte Peptid dar. Diese Antikörper richten sich insbesondere
gegen Citrullin, eine seltene Aminosäure, die durch das Enzym Peptidylarginindeiminase
aus Arginin entsteht. Citrullin ist wesentlicher Bestandteil des Proteins
Filaggrin, das Keratinfilamente miteinander verknüpft. Citrulliniertes
Fibrin wurde auch in der Synovia von Rheumapatienten gefunden. Durch die
Citrullinierung verliert sich bei prädisponierten Patienten die Immuntoleranz
gegen die betroffenen Proteine.
Patienten mit rheumatischer Arthritis weisen meist schon
im Frühstadium der Erkrankung AK gegen Cyclisches citrulliniertes
Peptid auf. Die Spezifität der CCP-AK liegt bei 90 - 99%, die Sensitivität
liegt etwas unterhalb der Rheumafaktor-Bestimmung, wobei aber durch die
gleichzeitige Messung der beiden Parameter die Sensivität auf über
90 % gesteigert werden kann. CCP-AK haben eine hohe positive Voraussagekraft
für die Entwicklung einer rheumatoiden Arthritis. Somit stellen diese
Antikörper eine wertvolle Hilfe dar um frühzeitig mit einer antirheumatischen
Therapie beginnen zu können.
Indikation:
V. a. rheumatoide Arthritis, DD der Kollagenosen
Material: 1 ml Serum
Hinweis: Bei Patienten mit
RA und Kollagenosen unter Langzeit-Basistherapie wird durch Verwendung
der Ausnahmekennziffer 32023 Ihr Laborbudget nicht belastet.
Literatur: Genth:
Rheumatoide Arthritis, JlabMed 26 (2002) 130 Vincent et al.: Detection
of Antibodies to Deiminated Recombinant Rat Filsggrin by Enzym-Linked-Immunosorbent-Assay,
Arthritis Rheum 46 (2002) 2051
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Cervix-Carcinom
- Diagnostik mittels Dünnschichtzytologie
Der Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) ist die
zweithäufigste Krebserkrankung der Frau. Seit Einführung der
gesetzlichen Früherkennungsuntersuchungen sind glücklicherweise
sowohl die Erkrankungszahlen als auch die Sterberate an diesem Krebs zurückgegangen,
da die dadurch erkannten Vor- oder Frühstadien gut behandelbar sind.
Bei diesen Vorsorgeuntersuchungen werden Schleimhautabstriche vom Muttermund
entnommen und im Labor mikroskopisch auf verdächtige Gewebsveränderungen
untersucht. Nach seinem Namensgeber, dem griechischen Arzt Papanicolaou,
ist diese Untersuchung als Pap-Test bekannt.
Die Dünnschichtzytologie: Verbesserung der
Diagnostik
Beim herkömmlichen Pap-Abstrich wird der Abstrichtupfer direkt auf
einem Glasobjekträger ausgestrichen, die Zellen werden gefärbt
und unter dem Mikroskop auf Veränderungen untersucht. Dabei kann es
vorkommen, dass sich zu viele Zellen auf einer Stelle befinden und sich
überlappen, was die Beurteilbarkeit erschwert. Zudem verbleiben bei
Gebrauch eines Watteträgers viele Zellen im Abstrichtupfer und werden
damit weggeworfen. Das kann letztlich dazu führen, dass einige eigentlich
auffällige Befunde nicht erkannt werden.
Seit einigen Jahren gibt es jedoch eine Verbesserung
des Pap-Abstriches: Die Dünnschichtzytologie. Hierbei wird
der Abstrich nach der Entnahme in ein Gefäß mit einer Konservierungsflüssigkeit
überführt. Dabei werden nahezu alle Zellen aus dem Entnahmebürstchen
gespült und gleichzeitig ideal für die anschließende mikroskopische
Untersuchung erhalten. Ein Filtrierprozess sorgt für die Reinigung
und optimale Verteilung der Zellen auf dem Objektträger, sodass die
Beurteilung erleichtert und verbessert wird.
Die amerikanische Zulassungsbehörde FDA empfahl bereits 1996, den
herkömmlichen Pap-Test durch die Dünnschichtzytologie zu ersetzen.
Einige Länder wie Schottland und England haben dann auch 2003 ihr
Vorsorgeprogramm auf die neue Technologie umgestellt. In Deutschland wird
dieses Verfahren allerdings von der gesetzlichen Krankenversicherung bislang
nicht bezahlt!
Hauptrisikofaktor für das Cervixkarzinom:
Papillomaviren!
Für die Entstehung des Gebärmutterhalskrebses spielen, wie man
heute weiß, Warzenviren (Humane Papilloma Viren – HPV), eine
entscheidende Rolle. Die meisten der über 400 Arten dieser Viren sind
harmlos und verursachen die typischen Hautwarzen sowie gutartige Genitalwarzen
(Condylome).
Leider gibt es aber HPV-Varianten, die sogenannten „high-risk“
(Hochrisiko)-Typen, die bei chronischer Besiedelung des Gebärmutterhalses
Veränderungen in den Zellen herbeiführen, die Jahre später
eine Krebserkrankung auslösen.
Die Übertragung der Viren erfolgt beim Geschlechtsverkehr.
Die Infektion ist häufig, nahezu jede 2. Frau infiziert sich im Laufe
ihres Lebens mit dem Virus. In sehr vielen Fällen heilt sie jedoch
nach einiger Zeit folgenlos aus. Bei den übrigen Frauen lassen sich
mit Hilfe der modernen Labordiagnostik die Papillomaviren in Abstrichen
vom Gebärmutterhals allerdings weiterhin nachweisen.
Wann ist ein HPV-Test sinnvoll?
Der HPV-Test kann bei einem auffälligen mikroskopischen Befund (Pap-Test
/ Dünnschichtzytologie) wichtige Zusatzinformationen geben: der Nachweis
eines Hochrisiko- Typs sollte weitere Untersuchungen nach sich ziehen,
ein fehlender Virusnachweis macht eine bösartige Erkrankung unwahrscheinlich.
Unabhängig vom Pap-Test kann der Virusnachweis eine eigene, eventuell
sogar bessere Früherkennungsmöglichkeit darstellen.
Was passiert bei einem positivem HPV-Test?
Ein positiver HPV-Test allein gibt noch keinen Grund zur Beunruhigung,
denn in über der Hälfte der Fälle heilt die Infektion innerhalb
von 1-2 Jahren aus. Nur bei 1 bis 10 von 1000 Virusträgerinnen kommt
es nach Jahren tatsächlich zum Entstehen einer Krebserkrankung.
Wichtig ist daher vor allem, bei der Feststellung einer HPV- Infektion
vom Hochrisikotyp, regelmäßige und engmaschige Kontrollen der
zytologischen Abstriche durchzuführen, um ggf. ein Fortschreiten des
Befundes zu erkennen und rechtzeitig therapeutische Maßnahmen einzuleiten,
sowie den HPV-Test in jährlichen Abständen zu wiederholen.
Bei einer Rückbildung der Veränderungen und einer nicht mehr
nachweisbaren Infektion mit HPV können die Kontrollen wieder im normalen
Vorsorge-Rhythmus erfolgen.
Die Dünnschichtzytologie und, bei fehlendem Krankheitsverdacht auch
der HPVTest, sind keine Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung,
sondern eine sogenannte Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL).
Die Kosten der Dünnschichtzytologie („Thin-Prep
Pap-Test“) belaufen sich auf 20,40 € + 4,40 € Materialkosten;
die des HPV-Suchtestes auf 48,96 €. Dazu kommen noch die Gebühren
für Beratung, Abstrich und Material von etwa 20,- € bis 40,-
€.
Es ist möglich, aus dem Probengefäß der Dünnschichtzytologie
gleichzeitig auch auf HPV zu untersuchen.
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Thrombophiliediagnostik bei rezidivierenden
Spontanaborten - bei erworbener oder hereditärer Thrombophilie (1)
Ungefähr 10-20 % aller klinisch erkannten Schwangerschaften
enden als Spontanabort als meist einmaliges Ereignis. 2 % aller Schwangeren
erleiden eine 2. Fehlgeburt, 0,4-1% haben drei konsekutive Ereignisse 2.
Nur bei etwa 50% der Fehlgeburten kann eine eindeutige oder mögliche
Ursache festgestellt werden 3,4. Überwiegend sind dies chromosomale
Anomalien, anatomische Missbildungen, Infektionen oder hormonelle Störungen
sowie Umweltfaktoren und persönliche Verhaltensweisen der Schwangeren
wie Alkohol- oder Tabakabusus. Bei einigen Frauen wurden darüber hinaus
Veränderungen der Plazenta festgestellt, die als plazentare
Vaskulopathien bezeichnet werden und sich als Thrombosen
der kleinen Spiralarterien oder der intervillösen Räume der mütterlichen
Plazentaseite manifestieren, sodass die normale Versorgung des Feten nicht
mehr gewährleistet ist und es aus diesem Grund zu einem Abort kommt.
Andere Komplikationen sind eine Präeklampsie oder für das Gestationsalter
zu kleine Feten 5,6.
Mit Beginn der Schwangerschaft kommt es zu einer Umstellung
des Gerinnungssystems in Richtung auf eine höhere Gerinnbarkeit (Hyperkoagulabilität),
sodass das Risiko einer Thromboembolie bei der Schwangeren ca. 5-6mal höher
ist als das bei gleichaltrigen nichtschwangeren Frauen (Inzidenz hier ca.
1:10.000 pro Jahr). Es wurde inzwischen auch festgestellt, dass ein höheres
Abortrisisko bei denjenigen Frauen besteht, bei denen eine angeborene oder
auch erworbene Form einer Thromboseneigung (Thrombophilie)
nachgewiesen wurde 7,8. Gut gesichert ist dies für die angeborene
Faktor V-Leiden-Mutation, die besonders bei der homozygoten Form zu einem
höheren Risiko einer Fehlgeburt führt, aber auch für die
Prothrombin-Mutation 9. Merkwürdigerweise gilt dies auch für
die Hyperhomozysteinämie, aber nicht für die zugehörige
MTHFR-Mutation. Weitere gesicherte Faktoren sind der Protein S-Mangel und
in geringerem Ausmaß auch der Protein C- und Antithrombin-Mangel.
Von den erworbenen Faktoren gelten die Lupus-Antikoagulantien und hier
insbesondere die Cardiolipin-Antikörper als Risikofaktor im Rahmen
eines primären oder sekundären Antiphospholipid-Syndroms 10 (siehe
unsere Laborinformation zu diesem Thema), aber auch die besonders hohe
Faktor VIII-Aktivität.
Das American College of Pathologists empfiehlt schon nach
einer Fehlgeburt die Abklärung einer Thrombophilie bei den betroffenen
Frauen 11,12 . Dies sollte in zeitlichen Abstand (mind. 3 Monate) nach
oder vor einer geplanten Schwangerschaft bei positiver Familienanamnese,
aber auch nach einer Thromboembolie in der Anamnese geschehen, da verschiedene
Parameter während der Schwangerschaft in Richtung Thrombophilie (s.
o. ) verschoben sind. Dies sollte deshalb geschehen, weil man die Ursache
für die belastenden Erlebnisse für die Schwangere finden kann,
und auch, weil sich therapeutische oder prophylaktische Konsequenzen
für eine erneute Schwangerschaft ziehen lassen 5,6 . Auch wenn die
Datenlage aus der Literatur 13 und die Kenntnisse aus der Pathophysiologie
noch lückenhaft sind, ist hier ein Effekt der Gabe von niedermolekularem
Heparin (in Deutschland nicht für die Schwangerschaft zugelassen)
mit oder ohne ASS 14,15 während der gesamten Schwangerschaft nachgewiesen:
es wurde eine signifikant höhere Rate an Lebendgeburten als in der
Kontrollgruppe erreicht (86 gegenüber 29%) 16.
Literatur:
[1] Al-Fozan,H. et al.: Incidence and Etiology
of Recurrent Pregnancy Loss, in: UpToDate, hrsg. von Rose,B.D., Version
13.1, (2005). [2] Ansari, A.H. et al.: Recurrent pregnancy loss. An update.
J. Reprod. Med. 43, 806 (1998). [3] Abramson, J. et al.:
Thyroid antibodies and fetal loss: an evolving story. Thyroid 11,
57 (2001). [4] Cook, C.L. et al.: Recurrent pregnancy loss. Curr. Opin.
Obstet. Gynecol. 7, 357 (1995). [5] Kupferminc, M.J.:
Thrombophilia and pregnancy. Curr. Pharm. Des 11, 735
(2005). [6] Robertson, L. et al.: Thrombophilia and adverse pregnancy outcome.
Curr. Opin. Obstet. Gynecol. 16, 453 (2004). [7] Lane,
D.A. et al.: Role of hemostatic gene polymorphisms in venous and arterial
thrombotic disease. Blood 95, 1517 (2000). [8] Li, T.C.
et al.: Recurrent miscarriage: aetiology, management and prognosis. Hum.
Reprod. Update. 8, 463 (2002). [9] Rey, E. et al.: Thrombophilic
disorders and fetal loss: a meta-analysis. Lancet 361,
901 (2003). [10] Reindollar, R.H.: Contemporary issues for spontaneous
abortion. Does recurrent abortion exist? Obstet. Gynecol. Clin. North Am.
27, 541 (2000). [11] Press, R.D. et al.: Clinical utility
of factor V leiden (R506Q) testing for the diagnosis and management of
thromboembolic disorders. Arch. Pathol. Lab Med. 126,
1304 (2002). [12] Brenner, B. et al.: Thrombophilia and pregnancy complications.
Thromb. Haemost. 92, 678 (2004). [13] Di Nisio, M. et
al.: Anticoagulants for the treatment of recurrent pregnancy loss in women
without antiphospholipid syndrome. Cochrane. Database. Syst. Rev. CD004734
(2005). [14] Bates, S.M. et al.: Use of antithrombotic agents during pregnancy:
the Seventh ACCP Conference on Antithrombotic and Thrombolytic Therapy.
Chest 126, 627S (2004). [15] Kupferminc, M.J.: Thrombophilia
and pregnancy. Reprod. Biol. Endocrinol. 1, 111 (2003).
[16] Gris, J.C. et al.: Low-molecular-weight heparin versus low-dose aspirin
in women with one fetal loss and a constitutional thrombophilic disorder.
Blood 103, 3695 (2004).
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Die Bedeutung von H 2O 2-bildenden Laktobazillen
für die gesunde Vaginalflora
Die gesunde Vaginalflora
Die Vaginalschleimhaut einer gesunden Frau ist typischerweise
von einer physiologischen Bakterienflora besiedelt, deren Hauptbestandteil
die Milchsäurebakterien bilden. Diesen Laktobazillen (Döderleinstäbchen)
kommt eine große Bedeutung für die Stabilität der gesunden Vaginalflora
zu, denn das empfindliche Gleichgewicht des vaginalen Mikroökosystems unterliegt
natürlichen Schwankungen. Zyklusbedingt oder nach Geschlechtsverkehr kommt
es zu einer pH-Erhöhung des Vaginalmilieus. Die Milchsäureproduktion der
Laktobazillen bewirkt eine Ansäuerung des Scheidenmilieus und hemmt damit
das Wachstum von unerwünschten Mikroorganismen. Die
Schutzfunktion von H202
Als weiteres wirksames Mittel zur Abwehr von pathogenen Mikroorganismen
verfügen einige Laktobazillen über die Fähigkeit, antibakteriell wirksames
Wasserstoffperoxid (H202) zu bilden und freizusetzen. Allerdings ist die
H202-Bildungsfähigkeit für die verschiedenen Laktobazillusarten unterschiedlich
ausgeprägt. Um den Zustand der bakteriellen Vaginalflora beurteilen zu
können, ist es daher neben der Ermittlung einer Fehlbesiedelung durch pathogene
Erreger auch wichtig, den Anteil an H202-Produzenten zu bestimmen. Die
Bestimmung der Menge und des relativen Anteils (%) an H202-produzierenden
Laktobazillen geben Aufschluss über die Stabilität der vaginalen Flora.
Werden keine oder nur wenige H202-Bildner gefunden hat die Patientin häufig
typische Beschwerden. Diese können von Ausfluß bis hin zum Vollbild der
Vaginitis reichen. Diese ist meist bakteriellen Ursprungs (Bakterielle
Vaginitis, Aminkolpitis), hauptverantwortlich dafür sind Anaerobier und
Gardnerella vaginalis. Daneben spielen auch Hefen wie Candida (Soorvaginitis)
und das Protozoon Trichomonas vaginalis eine Rolle. Bei Frauen mit Mangel
an H202-bildenden Laktobazillen kommt es vermehrt zu Komplikationen sowohl
während einer Schwangerschaft (Spontanabort oder Frühgeburt) als auch bei
nicht schwangeren Frauen (Adnexitis, Endometritis oder rezidivierende Harnwegsinfekte)
(1,3,4). Es konnte gezeigt werden, daß die Vermehrung der Vaginitiserreger
bei ausreichender Anzahl von H202-bildenden Laktobazillen vermindert ist
(2).
Die H202 -Stoffwechselanalytik
Problematisch war bisher die Diagnose, da die klinischen Kriterien unspezifisch
und unzuverlässig sind und die spezielle Analytik des H202-Stoffwechsels
von Laktobazillen bisher nur wenigen wissenschaftlichen Laboratorien vorbehalten
war. Inzwischen ist es mit einer neuen Kulturtechnik möglich, die H202-Bildung
von Laktobazillen zuverlässig, schnell und kostengünstig zu ermitteln.
Die Untersuchung ist nach Entnahme eines einfachen bakteriologischen Vaginalabstriches
durchführbar. Dies ist allerdings keine Leistung der gesetzlichen
Krankenversicherung.
Indikation zur Untersuchung
- bei entsprechendem klinischem Verdacht
- nach den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für
Gynäkologie und Geburtshilfe sollte vor Einlage einer Intrauterinspirale
oder intrauterinen Eingriffen eine Aminkolpitis ausgeschlossen werden.
- sinnvoll vor einer geplanten Gravidität oder möglichst
früh in der Schwangerschaft.
Therapie
- bei klinisch ausgeprägtem Beschwerdebild, bei Schwangeren
oder geplanten intrauterinen Eingriffen ist eine antibiotische Therapie
mit Metronidazol oder Clindamycin indiziert.
- ansonsten ist auch die Substitution mit lebensfähigen
Keimen möglich. Besonders ist ein potenter H 20 2-Bildner wie Lactobacillus
gasseri (z.B. in Döderlein Med Vaginalkapseln®) geeignet.
Werden diese Bakterien in der physiologischen Vaginalflora heimisch, wird
das Milieu korrigiert und eine Besserung der Beschwerden eingeleitet.
Material
Vaginalabstrich im Gelröhrchen
(wie für Anforderung Erreger und Resistenz)
Anforderung
auf dem IGEL-Schein „H 2O
2-bildende Laktobazillen“ Kosten
der Untersuchung
Als IGeL nach GOÄ (1,0) 4533 + 4546:
21,56 €
Literatur:(1)
Agrawal et. al. (2002) Role of non H 2O 2-producing lactobacilli and anaerobes
in normal and complicatet pregnancy. J Indian Med Assoc, 100(11):652, 654-655.
(2) Felten et al. (1999) Lactobacillus species identification, H 2O 2-production,
antibiotic resistance and correlation with human clinical status. J Clin
Microbiol, 37(3):729-733. (3) Hiller et al. (1992) The relationship of hydrogen
peroxide-producing lactobacilli to bacterial vaginosis and genital microflora
in pregnant women. Obstet Gynecol, 79(3):369-373. (4) Wilks et al. (2004)
Identification and H 2O 2-production of vaginal lactobacilli from pregnant
women at high risk of preterm birth and relation with outcome. J Clin Microbiol,
42(2):713-733
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Legionellosen - Pneunomie und Pontiac-Fieber
Erreger/Epidemiologie
Die Legionärskrankheit (“Legionnaires’ disease”)
wurde nach dem Ausbruch in Philadelphia (USA) 1976 beschrieben. Nach einem
Jahrestreffen der “America legion” (Organisation ehem. Militärangehöriger)
erkrankten 221 Personen an einer schweren fieberhaften Pneumonie. Von den
Erkrankten starben 34. Aus dem Lungengewebe Verstorbener
züchteten Forscher ein bisher unbekanntes gramnegatives Bakterium
an: Legionella pneumophila. Ursache des Ausbruches war die mit Legionellen
besiedelte Klimaanlage des Tagungshotels.
Inzwischen unterscheidet man 15 Serotypen und weitere
Spezies. Insbesondere L. pneumophila Serotyp 1 ist die weit häufigste
beim Menschen nachgewiesene Spezies, mit ca 90% aller Legionellen-Infektionen.
Sie verursachen einen bedeutenden Anteil der ambulant erworbenen Pneumonien,
ca 10%.
Legionellen werden weltweit im Süßwasser gefunden.
Sie vermehren sich intrazellulär in Amöben und anderen Protozoen.
Ideale Lebensbedingungen finden sie bei 25 bis 55°C. Sie können
auch in kaltem Wasser überleben. Bei über 60°C werden sie
abgetötet. So können sie Warm-wassersysteme (25-45°C) besiedeln,
begünstigt durch schlechte Wartung und Stagnation in den Leitungen.
Zur Erkrankung führen die Aufnahme von Erregern über Aerosole
und das Einatmen von infizierten Amöben, z.B. beim Duschen, Baden,
im Whirlpool oder über Klimaanlagen. Gefährdet sind besonders
abwehrgeschwächte und alte Menschen sowie Raucher. Legionellen können
Makrophagen in der Lunge infizieren und sich dort vermehren.
Eine direkte Übertragung von Mensch zu Mensch wurde
nicht nachgewiesen. Deshalb besteht für Kontaktpersonen keine Gefahr.
Klinische Symptomatik
Die klassische Legionellose (Legionellen-Pneumonie)beginnt
2-10 Tage nach Infektion mit uncharakteristischen Symptomen wie Unwohlsein,
Kopf- und Gliederschmerzen, unproduktivem Reizhusten. Es folgt eine rasche
Verschlechterung innerhalb weniger Stunden mit Fieberanstieg und den Symptomen
einer schweren Pneumonie mit langem Verlauf. Bei ZNS-Beteiligung kann es
zu Benommenheit und Verwirrtheitszuständen kommen. Bei Immunkompetenten
sterben ohne Therapie ca. 20%, bei älteren u. abwehrgeschwächten
Patienten sind es ohne adäquate Therapie ca. 80%.
Das Pontiac-Fieber hat eine kurze
Inkubationszeit von nur 1-2 Tagen und einen leichten Verlauf.
Die Krankheit beginnt mit Kopf-, Glieder-, Thoraxschmerzen,
Husten, Fieber, gelegentlichen Verwirrtheitszuständen. Trotz erheblichen
Krankheitsgefühls erholen sich die Patienen i.d.R. innerhalb einer
Woche fast vollständig.
Labordiagnose
Der Legionella-Antigen(Ag)-Nachweis mittels ELISA aus Spontanurin
ist die Methode der Wahl in der Routinediagnostik der akuten Phase. Die
Ausscheidung der Legionellen setzt bereits am 1.-3. Tag der Erkrankung
ein und hält einige Wochen an. Das ermöglicht eine rechtzeitige
Erkennung und eine gezielte Therapie. Die meisten Legionellosen werden
mit dieser Methode diagnostiziert. Ihre Sensitivität beträgt
ca 90%.
Die Kultur ist möglich, aber für die Routinediagnostik
aus klinischem Material weniger geeignet. Der Grund dafür liegt in
der geringen Sensitivität, es sind Spezialnährböden notwendig,
das Probenmaterial muss besonders aufbereitet werden, um u.a. Hemmstoffe
zu inaktivieren, die Bearbeitungszeit beträgt 3-10 Tage. Die PCR ist
ebenfalls aufwendig, für die Routine zu teuer und ist keine Kassenleistung.
Für den Nachweis von Antikörpern(Ak) gegen L.pneumophila
gibt es heute spezifische Tests, die in unserem Labor schon längere
Zeit etabliert sind. Eine Serokonversion der Antikörper, sowohl IgM
als auch IgG, ist meist erst in der 3.-9. Krankheitswoche zu erwarten.
In der Akutphase gibt es deshalb eine erhebliche Zahl falsch negativer
Resultate durch noch ungenügende Ak-Bildung. Wir empfehlen deshalb
unbedingt für den Ak-Nachweis ein zweites Serum 3-6 Wochen nach erster
Blutentnahme, um einen Anstieg der Antikörper zu erkennen. Außerdem
empfehlen wir in der akuten Phase den Antigen-Nachweis aus dem Urin.
Da keines der diagnostischen Verfahren 100% Sensitivität
aufweist, sollten bei entsprechendem Verdacht alle diagnostischen Möglichkeiten
ausgeschöpft werden, d.h. für die Labordiagnostik Ag- und Ak-Nachweise.
Therapie
Erythromycin galt bisher als das Mittel der Wahl. Eine schnellere Wirkung
und bessere Verträg-lichkeit haben die modernen Makrolide Azithromyzin
und Clarithromycin sowie die Gyrasehemmer Ciprofloxacin und Moxifloxacin.
Betalactam-Antibiotika und Aminoglykoside sind unwirksam.
Meldepflicht
besteht für das Labor seit Juli 2000 mit dem neuen
Infektionsschutzgesetz (IfSG) für den Nachweis der Legionellen. Deshalb
ist die Ausnahmekennziffer 32006 bei der Labordiagnostik für Kassenpatienten
einsetzbar.
Literatur: Epidemiologisches
Bulletin 49/99 und 35/96; Mikrobiologe 11.(2001), 125-138; JLab.Med. 26(2002),
174-184.
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Infektionen durch Chlamydien
Die Gattung Chlamydia umfasst die drei humanpathogenen
Arten C.trachomatis, C.pneumoniae und C.psittaci.
Es handelt sich um Bakterien, die aufgrund ihres fehlenden Zellaufbaus
nicht in der Gram-Färbung anfärbbar sind. Eine gemeinsame Eigenschaft
ist ihr komplexer Reproduktionszyklus. Er umfasst zwei Formen: extrazelluläre
infektiöse Elementarkörperchen sowie intrazelluläre
nicht infektiöse Retikularkörperchen.
Die serologische Diagnostik erfasst mit dem ELISA-Testen
nur gattungsspezifische Anti-körper(AK). Der von uns angebotene Mikroimmunfluoreszenztest
(MIF) kann zwischen den Arten C.trachomatis und C.pneumoniae differenzieren,
wobei Kreuzreaktionen vorkommen können. Selten wird man mit einer
serologischen Untersuchung auskommen. Der EBM-Höchstwert von 72 EUR
lässt es bei Kassenpatienten nicht zu, IgG-, IgA- und IgM-AK bei beiden
Chlamydien Arten gleichzeitig zu bestimmen. Deshalb ist Ihre gezielte
Anforderung nach der klinischen Symptomatik, der Anamnese und evtl.
Voruntersuchungen wichtig für eine effiziente Diagnostik. C.trachomatis
u. C.psittaci sind meldepflichtige Infektionen - Anwendung d.Ausnahmeziffer
32006!
Chlamydia trachomatis
Die Serotypen lösen verschiedene Erkrankungen aus:
Serotypen A-C verursachen das Trachom, eine in den Tropen weit verbreitete
chronisch rezidivierende Erkrankung der Bindehaut und der Hornhaut am Auge.
Serotypen D-K verursachen die uns bekannte Form der sexuell übertagbaren
urogenitalen Infektionen u. Augeninfektionen sowie nach perinataler Übertragung
Neugeborenen-Infektionen.
Serotypen L1, L2, L3 verursachen das Lymphogranuloma venereum,
eine überwiegend in den Tropen vorkommende sexuell übertragbare
Erkrankung.
C.trachomatis Serotypen D-K gehören weltweit
zu den häufigsten Erregern sexuell übertragbarer Infektionen(STD)
und soll deshalb an dieser Stelle besprochen werden.
Erregerreservoir ist nur der Mensch. Die Übertragung
erfolgt durch sexuellen Kontakt, perinatal auf das Neugeborene, durch infektiöses
Augensekret und durch die Hände.
Die Inkubationszeit (IKZ) beträgt 1-3(6) Wochen.
Klinische Symptomatik der urogenitalen
Chlamydieninfektion bei Männern als Urethritis (nicht gonorrhoische
Urethritis = NGU, postgonorrhoische Urethritis nach Therapie als Mischinfektion
= PGU), als Epididymitis, Prostatitis, Proktitis, reaktive Arthritis bis
zum Reiter-Syndrom, aber auch asymptomatisch. Als mögliche Folge kann
es zur Infertilität kommen.
Bei Frauen verlaufen bis 80% der Infektionen
asymptomatisch. Manifestationen können sein: Urethritis, Bartholinitis,
Zervizitis, Salpingitis, Endometritis, Perihepatitis, Proktitis und in
der Folge auch eine reaktive Arthritis. In Folge der Salpingitis kann es
zu Sterilität durch Tubenverschluss oder Extrauterin-Gravidität
kommen.
Diagnostik : Der direkte Erregernachweis
– mittels spezieller Abstriche (Urethral-, Cervical-, Augenabstriche)
oder Urin - ist die Methode der Wahl bei Verdacht auf eine akute Infektion.
Der Nachweis erfolgt mit der PCR-Technik, einer sehr zuverlässigen
Methode, sofern genügend infizierte Zellen mit dem Abstrich bzw. Urin
entnommen wurden.
Der Antikörper(AK)-Nachweis: AK gegen C.
trachomatis können Monate oder sogar Jahre persistieren, sodass häufig
nicht zwischen zurückliegender und bestehender Infektion unterschieden
werden kann. Die serologische Diagnostik ist somit eher für die Fragestellung
nach Folgeinfektionen oder chronischen Zuständen (reaktive Arthritis,
Sterilität) geeignet. Die Interpretation kann durch Kreuzreaktionen
mit AK von C.pneumoniae erschwert sein.
Therapie: Zum Einsatz kommen Doxycyclin,
Erythromycin, Clarithromycin, Azithromycin, Levofloxacin. Bei unkomplizierten
genitalen Infektionen mind. 14 Tage Doxycyclin oder Erythromycin, die Gabe
von Azithromycin in einer Einzeldosis (1g) ist möglich. Bei fortbestehender
klinischer Symptomatik sind u.U. mehrere antibiotische Kuren erforderlich.
Chlamydia pneumoniae
Aufgrund seroepidemiologischer Untersuchungen wird geschätzt, dass
5-15% der ambulant erworbenen Pneumonien durch C.pneumoniae verursacht
werden. In der Bevölkerung wurde ein sehr hoher Durchseuchungsgrad
festgestellt. Im höheren Lebensalter steigt die Zahl der Reinfektionen
an. Erregerreservoir ist der Mensch. Die Übertragung erfolgt durch
Tröpfchen-infektion (Aerosole) und Speichelkontakt. IKZ: 1-4 Wochen
Dieklinische Symptomatik umfasst akute
Pharyngitiden, Sinusitiden, Bronchitiden, Pneumonien. Am häufigsten
sind asymptomatische Infektionen und leichter verlaufende atypische Pneumonien
und Bronchitiden. Systemische Manifestationen sind seltener, dabei treten
Fieber, Husten, Kopfschmerzen, Muskel- u. Gelenkschmerzen, Hepatomegalie,
gastro-intestinale Beschwerden und Bewusstseinsstörungen auf. Sehr
selten sind Endokarditis, Myokar-ditis, Konjunktivitis, Meningoradikulitis,
Erythema nodosum oder reaktive Arthritis. Eine mögliche Rolle von
C.pneumoniae in der Pathogenese der Arteriosklerose wird seit einiger Zeit
kontrovers diskutiert und konnte trotz umfassender Untersuchungen noch
nicht eindeutig geklärt werden.
Infektionen führen nur zu einer zeitlich begrenzten
Immunität.
Die Diagnostik erfolgt über die Serologie,
wobei die AK-Bildung sehr verzögert erfolgen kann, d.h. 6-8 Wochen
nach der Infektion, in Ausnahmefällen auch ganz ausbleibt. Reinfektionen
sind am Anstieg bzw. Nachweis von IgG- und IgA-AK zu erkennen. Kreuzreaktionen
mit AK von C.trachomatis können auftreten.
Eine Methode zum direkten Erregernachweis, wie z.B. die
PCR, steht uns noch nicht zur Ver-fügung. Sie bleibt Speziallaboratorien
vorbehalten und ist keine Kassenleistung.
Differenzialdiagnostisch kommen bei atypischen Pneumonien
Erreger wie Mykoplasma pneumoniae und Legionella pneumophila in Frage.
Therapie: Mittel der Wahl ist Doxycyclin
über einen Zeitraum von 10-21 Tagen. Alternativ ist eine Therapie
mit Makroliden wie Erythromycin und Azithromycin sowie neueren Chinolonen
(Levofloxacin) möglich.
Chlamydia psittaci
Vorkommen bei infizierten Tieren in respiratorischen Sekreten,
Exkrementen und Federn, die Infektiosität bleibt auch bei Austrocknung
und Raumtemperatur ca. 4 Wochen erhalten. Wichtigste Infektionsquelle für
den Menschen sind Vögel. Die Übertragung erfolgt aerogen,
z.B. durch aufgewirbelten Staub, auch durch unmittelbare
Berührung, selten von Mensch zu Mensch. IKZ: 1-4 Wochen.
Die klinische Symptomatik ähnelt
der von C.pneumoniae und ist außerdem sehr vielfältig. Die Infektion
führt zu fieberhaften Erkrankungen, die durch Pneumonien und systemische
Manifestationen charakterisiert sein können. Das klinische Bild kann
außerordentlich vielfältig sein und fast jedes Organ betreffen.
Diagnostik und Therapie wie bei C.pneumoniae.
Für Fragen und Interpretationen stehen wir Ihnen
gern zur Verfügung.
Ihr Laborteam
Literatur:
MIKROBIOLOGE 12.Jg. 2002, S. 63ff; MIKROBIOLOGE 8. Jg. 1998, S. 219f
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Adiponektin und Leptin
-
neue Risikomarker für Diabetes
mellitus und Arteriosklerose
Das Metabolische Syndrom mit den Symptomen Übergewicht,
Dyslipidämie und Hypertonus sowie den schwerwiegenden Folgen Arteriosklerose
und Diabetes mellitus Typ-2 breitet sich pandemisch aus.
Primär- und Sekundärprävention sowie eine
adäquate Therapie sind nur durch eine rechtzeitige Diagnostik möglich.
Von besonderem Interesse sind Labor-Parameter, die bereits vor der klinischen
Manifestation nachweisbar sind.
Hierzu können die von Adipozyten sezernierten Proteine
Adiponectin und Leptin dienen, denn Fettgewebe ist neben seiner Funktion
als Energiespeicher auch endokrinologisch aktives Gewebe und beeinflusst
den gesamten Energiestoffwechsel maßgeblich.
Adiponectin besitzt aufgrund von komplexen metabolischen
Interaktionen antiatherogene und antiinflammatorische
sowie antidiabetische (endogener Insulinsensitizer) Eigenschaften
[5]. Hohe Adiponectinspiegel korrelieren mit hohen HDL-Cholesterin-Werten
und niedrigen Triglyceridwerten. Unabhängig von Gewicht, Alter und
sportlicher Aktivität ist bei gesunden Personen mit erhöhten
Adiponectinkonzentrationen das Risiko einen Diabetes Typ 2 innerhalb eines
Zeitraumes von 2 Jahren zu entwickeln, vermindert [5,6].
Zudem beeinflußt der Adiponectinspiegel das Risiko für Koronare
Herzerkrankung. Eine Studie zeigte bei Männern mit hohem
Adiponectionspiegel ein vermindertes Herzinfarktrisiko
[4].
Bei gefüllten Fettspeichern wird die Sekretion des
Hormons herunterreguliert [7]. Es besteht eine Kor-relation zwischen Übergewicht
und niedrigen Adiponectinkonzentrationen [6].
Vermeintlich gesunde Individuen mit einem niedrigen Adiponectinspiegel
haben ein erhöhtes Diabetes-risiko [5, 6].
Leptin ist in die Appetit- und Gewichtsregulation
im Hypothalamus involviert. Bei Adipositas liegt Leptin in erhöhter
Konzentration vor, entfaltet allerdings aufgrund einer Leptinresistenz
keine appetithemmende Wirkung. Der Verlust der Leptinwirkung ruft in der
Folge eine Insulinresistenz hervor [2]. Zudem induzieren
die erhöhten Leptinspiegel oxidativem Stress auf
Endothelzellen
und wirken atherogen [3]. Die Höhe
der Adiponectin- und Leptin Spiegel verhalten sich invers zueinander [3].
Ein hoher Leptin-Wert bestätigt einen niedrigen Adiponectin-Spiegel.
Durch die Funktion als Bindeglied zwischen Übergewicht,
Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen stellen Adiponectin und Leptin
günstige Parameter zur Bestimmung des Risikos für diese Erkrankungen
dar.
Aufgrund der protektiven Eigenschaften des Adiponectins
und der negativen Wirkung der Leptinresistenz sind Maßnahmen,
die zu einer Veränderung der Konzentrationen führen, von großem
Benefit. Eine Gewichtsreduktion bewirkt einen signifikanten Anstieg der
Adiponectinsynthese und einen Abfall der Leptinkonzentrationen [1,7].
Die Verlaufskontrolle von Adiponectin und Leptin kann somit
die Motivation zu Einhaltung einer Diät und deren therapeutischen
Erfolg positiv verstärken.
Indikationen:
- Übergewicht
- Verdacht auf Entwicklung eines Diabetes Typ II
- Abklärung des Infarkt-Risikos
Material:
Literatur:
1.)Faray M et al.: Plasma acylation-stimulating
protein, adiponectin, leptin and ghrelin before and after weight loss induced
by gastric bypass surgery in morbidly obese subjekts; J Clin Endocrinol
Metab, 2003, 88 (4): 1594-1602
2.)Fasshauer M et al.: Adipokine: Mögliches Bindeglied zwischen Insulinresistzenz
und Adipositas; Deutsches Ärzteblatt, 2004, 101, 51-52, A-3491
3.)Matsubara M et al.: Inverse relationship between plasma adiponectin
and leptin concntrations in normal-wheight and obese women; European Journal
of Endocronolgy, 2002, 147: 173-180
4.)Pischon T et al.: Plama adiponectin levels and risk of myocardial infarction
in men; JAMA, 2004, 291:1730-1737
5.)Spranger J et al.: Adiponectin and protection against type 2 diabetes
mellitus; Lancet, 2003, 361: 226-228
6.)Tschritter O et al.: Plasma adiponectin concentations predict insulin
sensitivity of both glucose and lipid metabolism; Diabetes, 2003, 52: 239-243
7.)Yang W et al.: Wheight reduction increases plasma levels of an adipose-derived
anti-inflammatory protein, adiponectin; J Clin Endocrinol Metab, 2001,
86: 3815-3819
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Hämochromatose -
Abklärung einer häufigen Stoffwechselerkrankung
Die hereditäre Hämochromatose (HH) Typ 1 ist
die häufigste angeborene, möglicherweise lebensbedrohliche Stoffwechsel-Erkrankung
in Populationen keltischer Abstammung (Skandinavien, Nord-Europa, Groß-Britannien).
Die Prävalenz für homozygote Merkmalsträger in Deutschland
beträgt mindestens 1:200, die der heterozygoten 1:10. Die phänotypische
Ausprägung mit Ausbildung von klinisch relevanten Symptomen variiert
stark und ist abhängig von der Eisenzufuhr durch die Nahrung (Fleisch!)
und einem Blutverlust vor allem bei jüngeren Frauen.
Da die Eisenzufuhr doppelt so hoch ist wie die normale Ausscheidung, dauert
es viele Jahre, bis die Eisendepots zu Organschäden führen. Die
Häufigkeit einer manifesten Erkrankung beträgt daher in etwa
1:1000.
Der genetische Defekt betrifft das die intestinale Eisenresorption
steuernde HFE-Gen und liegt bei ca. 90% der Patienten mit HH als homozygote
Punktmutation vor (Cys282Tyr). Eine 2. Punktmutation (His63Asp) kommt bei
weiteren 5-10% meist heterozygot vor.
Nur zusammen mit der 1. Mutation als Compound-Heterozygotie (3-8% der Pat.
mit HH) führt sie zu ähnlichen klinischen Symptomen.
Diese Formen der Mutationen werden autosomal-rezessiv vererbt.
Die möglichst durch eine frühe Diagnose zu verhindernden
Spätsymptome sind neben der bekannten Bronzeverfärbung
der Haut ein irreversibler, insulinpflichtiger Diabetes mellitus sowie
eine Leberzirrhose mit nachfolgendem Leberzell-Karzinom.
Frühsymptome sind ab einem Alter von ca. 30 Jahren
Gelenkbeschwerden, chronische Müdigkeit, Hypothyreose, Impotenz, verfrühte
Menopause und eine graue Hautverfärbung. Jeder neu aufgetretene Diabetes
mellitus, chronische Lebererkrankungen unklarer Ätiologie, unklare
Kardiomyopathie oder unklare Gelenkerkrankung sollte den Verdacht auf eine
HH erwecken.
Die notwendigen Screening-Labor-Untersuchungen
umfassen einige wenige Laborbestimmungen wie die Messung von Ferritin,
Transferrinsättigung und Serumeisen.
Sind diese Werte erhöht ausgefallen und nicht anderweitig zu erklären,
könnte dann eine genetische Untersuchung (EDTA-Blut) für die
beiden erwähnten Mutationen angeschlossen werden. Ist eine Mutation
nachgewiesen worden, sollten auch alle Verwandten zumindestens ersten Grades
auf den Defekt hin untersucht werden.
Bei asymptomatischen Personen mit einer nachgewiesenen Mutation sind alle
sechs Monate Untersuchungen der Transferrin-Sättigung und des Ferritins
indiziert.
Als einfache Therapie bei manifester Symptomatik
sind wiederholte Aderlässe indiziert, die zu Anfang 1-2 mal pro Woche,
später lebenslänglich 4-8mal pro Jahr durchzuführen sind.
Der Ferritinspiegel sollte dann in der Erhaltungsphase in einem Bereich
von 20-50 µg/l liegen.
Literatur:
Ø Pietrangelo, A: Hereditary Hemochromatosis – A New Look
at an Old Disease, New Engl. J. Med. 2004; 350: 2383-97
Ø Niederau, C: Hereditäre Hämochromatose, Internist 2003;
44: 191-207
Ø American Hemochromatosis Society, Guidelines for a New Millenium
2001 & Beyond; americanhs.org
( hereditäre Hämochromatose.doc
; 18/08/04 )
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Leicht erhöhte Homocystein-Werte
und das Risiko für Osteoporose und Frakturen
- Neueste Studiendaten aus der internationalen Literatur
Schon seit einiger Zeit ist bekannt, dass auch ein leicht
erhöhter Homocystein-Spiegel (>18,5µmol/l) einen Risikofaktor
nicht nur für ein kardiovaskuläres Ereignis 3, 5 wie Herzinfarkt
und Apoplex oder Restenose nach Stent 6, sondern auch für ein thromboembolisches
Geschehen 1 (tiefe Beinvenenthrombose und Lungenembolie) darstellt. Auch
die Alzheimer Erkrankung 7 wird mit einer Hyperhomocystein ämie in
Verbindung gebracht. Nur sehr hohe Spiegel werden mit der seltenen autosomal
rezessiven Homocystein urie assoziiert, bei der ein Symptom eine verstärkte
Frakturneigung durch Osteoporose darstellt 2.
In zwei kürzlich veröffentlichten Arbeiten 4,
8 wurde nun untersucht, ob auch bei nur mäßig erhöhten
Homocysteinspiegeln eine Neigung zu Osteoporose mit nachfolgenden Frakturen
auftritt. Bei über 2400 Patienten aus Rotterdam im Alter von mehr
als 55 Jahren wurde über einen Zeitraum von 3 bis 8 Jahren ein relatives
Risiko von 1,4 errechnet. Männer und Frauen waren gleich häufig
betroffen 4 . In der zweiten Studie wurden mehr als 2000 Männer und
Frauen über durchschnittlich 12 bis 15 Jahre beobachtet. Das Risiko,
eine Hüftfraktur zu erleiden, lag bei denjenigen mit den höheren
Homocystein-Spiegeln zwischen 2 und 16fach höher als bei denen mit
normalem Spiegel. Frauen waren hier vermehrt gefährdet 4 . Auffällig
war, dass Frakturen unabhängig von der Knochendichte auftraten.
Therapie: Ein erhöhter Homocystein-Spiegel gehört
zu den wenigen Risikofaktoren, die sich gezielt relativ einfach durch die
Einnahme von Vitaminen korrigieren lassen. Da es in Deutschland kein adäquat
dosiertes Kombinationsmedikament gibt, werden folgende Präparate empfohlen:
1-5 mg Folsäure (z. B. RubieFol oder Folcur, 5mg,
teilbar, 100 Tbl. € 14,99-15,38)
10-100 mg Vitamin B6 (z. B. Vit B6-Hevert, 100 Tbl. €
7,40)
0,4-1 mg Cobalamin (z. B. Vit B12 Ankermann, 100 Tbl. €
22,68),
Jahreskosten für alle Präparate zusammen: €143,64.
Alternatives Kombinationspräparat Medyn 3 x 1, 100
Tbl. € 20,65, Jahreskosten €228,40.
Die tatsächlich notwendige Dosis richtet sich dabei
im Zweifel nach den vorhandenen Vitaminspiegeln.
Patienten mit besonderem Risiko: hohes Alter, Hypothyreoidismus,
Niereninsuffizienz, systemischer Lupus erythematodes und bestimmte Medikamente
wie Nikotinsäure, Methotrexat und L-Dopa. Mehr Informa-tionen unter
http://www.homocysteine.net
Homocysteinbestimmung in EDTA-Blut oder Vollblut mit Transport auf Eis,
Plasma oder Serum nach Zentrifugation bei Raumtemperatur, Blutentnahme
nüchtern;
Zusammenfassung: Eine Hyperhomocysteinämie stellt
einen unabhängigen Risikofaktor für arterielle und venöse
Thrombosen, neurologische Erkrankungen und Osteoporose mit erhöhter
Frakturneigung dar.
Literatur:
1) M.den Heijer et al., N. Engl. J. Med.
334: 759 (1996).
2) A.J.Grieco, Am. J. Med. Sci. 273: 120 (1977).
3) S.C.Guba et al., Am. J. Clin. Pathol. 106: 709 (1996).
4) R.R.McLean et al., N. Engl. J. Med. 350: 2042 (2004).
5) O.Nygard et al., N. Engl. J. Med. 337: 230 (1997).
6) G.Schnyder et al., Ann. Med. 35: 156 (2003).
7) S.Seshadri et al., N. Engl. J. Med. 346: 476 (2002).
8) J.B.van Meurs et al., N. Engl. J. Med. 350: 2033 (2004). homocystein.doc
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Laktose-Intoleranz, auch ein Risikofaktor
für Osteoporose?! - Neueste Studiendaten aus der internationalen
Literatur
Klipphausen, 18.02.05
Klinische Symptome
nach dem Genuss von laktosehaltigen Nahrungsmitteln, besonders Milchprodukten,
sind in Europa mit einer Prävalenz von 7-20% ein häufiges Problem¹
und werden als Laktose-Intoleranz bezeichnet.
Es handelt sich also nicht um eine Nahrungsmittelallergie!
Als hauptsächliche Beschwerden werden Diarrhö, Bauchschmerzen
oft periumbilikal, Blähungen sowie bei Erwachsenen auch Übelkeit
und Erbrechen geäußert, die durch einen Laktasemangel (Laktase-Phlorizin-Hydrolase,
LPH) in der Mukosa des Dünndarms verursacht werden.
Dieser Enzymdefekt verhindert, dass Laktose nicht in die resorbierbaren
Zucker Glukose und Galaktose hydrolisiert werden kann und deshalb erst
im Colon durch Bakterien aufgespalten wird, wobei neben einer Diarrhö
unter anderem blähendes Bikarbonat-Gas entsteht.
Die Ursachen eines Laktasemangels können
entweder primär durch eine genetische Veränderung verursacht
sein oder sekundär durch andere Erkrankungen wie bakterielle Fehlbesiedelung,
infektiöse Enteritiden, aber auch bei Colitis ulcerosa, M. Crohn oder
Darmirritationen nach Bestrahlung oder Medikamenten entstehen.
Bei der primären Laktose-Malabsorption gibt es im
wesentlichen drei Ursachen zu unterscheiden:
- ein entwicklungsbedingter Mangel bei frühgeborenen
Kindern (28. - 32. Woche) mit reduzierter Enzymaktivität, da das
Enzym erst in den letzten Wochen der Schwangerschaft ausreift.
- ein angeborener Defekt als seltene autosomal rezessive
Erkrankung, bei dem das Enzym gänzlich fehlt.
- die auch zahlenmäßig wichtigste Gruppe, die
hier besondere Beachtung finden soll, umfasst einen Großteil der
Weltbevölkerung (!) und wird als ethnische Laktose-Malabsorption
bezeichnet.
Kinder aller Völker dagegen besitzen zunächst nach der Geburt
in der Regel eine völlig normale Laktaseaktivität. Mit Abnahme
des Milchanteils in der Nahrung bis zum 5. Lebensjahr reduziert sich jedoch
schrittweise diese Aktivität. Dies gilt vor allem für Asien
und Afrika.
Im Gegensatz dazu wird bei den Kaukasiern und hier vor allem bei Skandinaviern
die Aktivität auf dem frühkindlichen Level erhalten und diese
Eigenschaft als Laktase- Persistenz autosomal dominant vererbt 2 . Die
molekulare Basis dieser genetischen Veränderung ist bis heute unklar.
- Die erwähnten 7-20% der Bevölkerung in Europa
mit einer Laktose- Intoleranz besitzen nach einer neueren Arbeit³
aus Finnland jedoch zu einem Großteil eine hier beschriebene autosomal
rezessive Mutation, die als C13910T-Punktmutation auf dem Chromosom 2q21
sitzt.
(www.ncbi.nlm.nih.gov/OMIM;LCT , *603202)
Andere Bezeichnungen des Defekts sind Laktose-Malabsorption oder Laktase-non-Persistenz.
In einer erst vergangenes Jahr veröffentlichten Arbeit4) wurde gezeigt,
dass die durch die Laktose-Intoleranz bedingte verminderte Kalzium-Aufnahme
aus Milchprodukten mit einer verminderten Knochendichte an Becken und
Wirbelsäule korreliert. Eine Ursache der Osteoporose 5 wäre
hier zu suchen.
- Die richtige Diagnose bei den
oben beschriebenen unspezifischen Symptomen lässt sich daher mit
dem Nachweis der Mutation (PCR aus EDTA-Blut) stellen, insbesondere dann,
wenn der Laktose-Toleranztest nicht durchführbar ist. Die PCR wird
über das EBM 32010 abgerechnet und belastet Ihr Budget nicht.
Literatur:
1) Caspary,W.F. Diarrhoea associated with carbohydrate malabsorption. Clin.
Gastroenterol.15, 631 (1986).
2) Scrimshaw, N.S. et al. The acceptability of milk and milk products
in populations with a high prevalence of lactose intolerance. Am.
J. Clin. Nutr.48, 1079 (1988).
3) Enattah,N.S. et al. Identification of a variant associated
with adult-type hypolactasia. Nat. Genet.30,
233 (2002).
4) Obermayer-Pietsch,B.M. et al. Genetic predisposition for adult
lactose intolerance and relation to diet, bone density, and bone fractures.
J. Bone Miner. Res.19, 42 (2004).
5) Enattah,N.S. et al. Genetic variant of lactase-persistent c/t
is associated with bone fractures in very old age. J. Am. Geriatr.
Soc.53, 79 (2005)
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Lupus-Antikoagulantien
Lupus-Antikoagulantien (LA) sind Immunglobuline, die in
vitro mit phospholipid-abhängigen Gerinnungsglobaltesten (aPTT, dRVVT,
Textarinzeit) interferieren.
Der Begriff Lupus-Antikoagulans ist insofern irreführend,
als diese Antikörper zwar auch bei Patienten mit Lupus erythematodes
vorkommen und dort erstmals beschrieben wurden, die überwiegende Mehrzahl
der Patienten aber mit einem Lupus nichts zu tun haben.
Weiterhin führt zwar die Untersuchung der aPTT zu einer Verlängerung
der Gerinnungszeit (Antikoagulans), wenn LA vorliegen, jedoch haben die
Patienten keine Blutungsneigung, sondern im Gegenteil meist eine thrombophile
Diathese.
LA gehören zur Gruppe der Antiphospholipid-Antikörper (APA),
daher auch das gleichnamige Syndrom. Sie binden aber nicht an negativ geladene
Phospholipide, sondern an verschiedene Proteine, die wiederum normalerweise
an Phospholipide insbesondere bei geschädigten Zelloberflächen
binden. Als Beispiel seien hier die Anticardiolipin-Antikörper genannt.
Andere Proteine, gegen die APA enstehen können, sind das b 2-Glykoprotein,
Prothrombin, Annexin, Protein S oder C. Ein und derselbe Patient kann daher
LA und APA haben.
LA kommen bei verschiedenen klinischen Krankheitsbildern
vor:
Bei 8-14% der Patienten mit tiefer Beinvenenthrombose,
bei 30% der Patienten unter 50 Jahren mit ischämischem
Insult und
bei 5-15% der Frauen mit rezidivierenden Aborten.
Normalerweise kommen LA auch bei relativ harmlosen Zuständen
vor wie z. B. nach Infekten (bakteriell, viral, nach Protozoen) oder bei
bestimmten Medikamenten (Quinidin, Procain). Bei bis zu 30% von gesunden
Kindern werden deshalb ebenfalls LA oder APA nachgewiesen, ohne dass deshalb
eine besondere Thrombosegefahr bestünde. Häufig sind diese Antikörper
nach einigen Monaten nicht mehr nachweisbar.
Probenmaterial: Citratplasma für LA, Serum für
APA
Richtlinien für das Labor:
Ganz wichtig für die Präanalytik ist, dass das
zu untersuchunde Plasma für die Gerinnungsuntersuchungen plättchenarm
(<10 Thrombozyten /nl) sein müssen.
Dies kann man nur dadurch erreichen, dass die Plasmaproben zweimal zentrifugiert
werden und jeweils der Überstand in ein neues Gefäß übertragen
werden muss.
Wenn solche Proben mit einem zu hohen Gehalt an Thrombozyten eingefroren
werden, platzen beim Auftauen die mit eingefrorenen Thrombozyten und setzen
Phospholipide frei. Daran binden sich dann die zu suchenden Antikörper
und können nicht mehr nachgewiesen werden.
Da LA auch mit möglicherweise erworbenen Inhibitoren
gegen Faktor VIII verwechselt werden können, sollte bei der Anamnese
nach einer neuerlich aufgetretenen Blutungsneigung gefragt werden, da Patienten
bei LA eher seltener, bei Inhibitoren aber häufiger bluten.
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Nachweis von Borrelien in Zecken
Juli 2004
Die Lyme-Borreliose ist die häufigste
durch Zecken übertragene Krankheit in Europa.
Klinische Manifestationen können Hautveränderungen, Gesichtslähmung,
neurologische Symptome, Herz- und Gelenkserkrankungen sein. Auch bei Haustieren,
insbesondere Hunden können Krankheitssymptome, vor allem Lähmungserscheinungen,
auftreten.
Die Erreger dieser Multisystemerkrankung sind Bakterien der Art Borrelia
burgdorferi, sie werden nach dem Zeckenbiss während der Blutmahlzeit
übertragen. Die Durchseuchung der Zecken mit Borrelien ist regional
unterschiedlich, sie kann bis zu 35% betragen.
Um das Risiko einer Infektion mit Borrelia burgdorferi nach einem Zeckenbiss
einschätzen zu können, kann die entfernte (lebende oder tote)
Zecke mit einer neuen molekularbiologischen Methode, der PCR, auf das Vorhandensein
von Borrelien untersucht werden. Da die Infektionsrate durch Zecken, in
denen Borrelien nachweisbar waren, deutlich erhöht ist, kann im Falle
eines Nachweises von Borrelien über eine frühzeitige Antibiotikatherapie
entschieden werden.
Der Nachweis von Borrelien in Zecken wird von der Krankenkasse nicht bezahlt.
Die Untersuchung kostet 39,90 € zzgl. der gesetzlich gültigen
MwSt.
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Darmkrebs-Frühdiagnostik:
Tumormarker M2-Pyruvatkinase im Stuhl als Screeningparameter
Karzinome des Colons und Rectums sind mit ca. 57000 Neuerkrankungen
und ca. 30000 Todesfällen pro Jahr in Deutschland die zweithäufigste tumorbedingte
Todesursache [1]. Eine Früherkennung dieser Tumoren ist wichtig, dass deren
Heilungschance bei rechtzeitiger Diagnose mit nahezu 100% sehr gut ist.
Leider sind die Symptome des colorektalen Karzinoms recht uncharakteristisch
und treten oft erst in späten Tumorstadien auf. Daher sind Vorsorgeuntersuchungen,
mit denen eine frühzeitige Verdachtsdiagnose gestellt werden kann, von
großem Interesse. Der Goldstandard für die Diagnosestellung ist die totale
Koloskopie. Obwohl die Koloskopie von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt
wird, ist die Akzeptanz dieser invasiven Untersuchung bei Patienten begrenzt
und wird nur unzureichend angenommen [2]. Bisher wird als nichtinvasives
Screening für Vorsorgeuntersuchungen der laborchemische Nachweis von okkultem
Blut mittels Hämmoccult-Test angewendet. Der Hämoccult-Tests hat allerdings
eine unzureichende Spezifität und Sensitivität und führt oft zu falsch
negativen Befunden. Nur 23,9% aller Patienten mit fortgeschrittenen Neoplasien
weisen einen positiven fäkalen Hämoccult Test auf [3]. Dies resultiert
aus der Tatsache, dass kolorektale Läsionen nur intermittierend bluten.
Zudem muss für einen positiven Nachweis der Blutverlust mindestens 20-50
ml/d betragen. Ein großer Anteil der Polypen und Tumoren wird somit durch
den Hämoccult-Test nicht erfasst.
Neuere Strategien in der Tumordiagnostik stützen sich auf
Stoffwechselvorgänge von Tumorzellen, die sich vom Metabolismus normaler
Zellen unterscheiden. Der Stoffwechsel von Tumorzellen ist durch einen
metabolischen Shift mit einer erhöhten aeroben Glykolyse charakterisiert.
Dies zeigt sich in einer höheren Aktivität von glykolytischen Enzymen,
wie der Puruvatkinase. Die Pyruvatkinase ist ein Schlüsselenzym bei der
Umwandlung von Glucose zu Lactat. Sie katalysiert die Dephosphorylierung
des Substrats Phosphoenolpyruvat (PEP) zu Pyruvat. Normalerweise werden
verschiedenen Isoenzyme der Pyruvatkinase in Abhängigkeit von den metabolischen
Anforderung der verschiedenen Gewebe exprimiert. In Geweben mit hoher Gluconeogenese,
wie Niere und Leber, findet sich das Isoenzym L, das Isoenzym M1 findet
sich in Zellen mit einem hohen Energiestoffwechsel, wie ZNS und Muskel.
Erythrozyten exprimieren die Isoform R. Proliferierende Zellen mit einer
hohen Nucleinsäure Syntheserate, bspw. Stammzellen, exprimieren die Isoform
M2. In gesunden Zellen wird die Pyruvatkinase als tetramere Isoform enzymatisch
aktiv.
In Tumorzellen kommt es zum Verlust der gewebsspezifischen
Isoform der Pyruvatkinase, so dass nur noch die M2 Isoform exprimiert wird.
Diese besteht zudem aufgrund der höheren Zellteilungsrate der Tumorzellen
nur noch aus 2 Untereinheiten. Die dimere M2 Isoform wird deshalb als Tumor-M2-PK
bezeichnet [4,5,6]. Die Tumor M2-PK wird von den Tumorzellen sezerniert
und ist bei verschiedenen Malignomen, bspsw. dem Pankreascarcinom, dem
Nierenzellcarcinom, dem Mammacarcinom sowie gastrointestinalen Tumoren
im Plasma nachweisbar [7,8,9].
Eigenbrodt et al. konnten bei Patienten mit Coloncarcinom
direkt in den maligne entarteten Zellen eine signifikant höhere Aktivität
der Tumor M2-PK messen, als in normalen Colon-Mukosa-Zellen desselben Individuums
[4].
dass die meisten gastrointestinalen Tumoren Kontakt zur
Mukosa haben bzw. intraluminal wachsen, konnte jüngst der Nachweis der
Tumor M2-PK im Stuhl von Patienten mit gastrointestinalen Tumoren gezeigt
werden [10,11,12]. Mittels eines monoklonalen Antikörpers, der spezifisch
mit der dimeren Isoform Tumor M2-PK reagiert, kann das Enzym in einem ELISA-Test
in aufbereiteten Stuhlproben detektiert und quantifiziert werden.
Mit der Quantifizierung der fäkalen Tumor M2-PK steht ein
empfindliches Verfahren zum Nachweis eines tumorspezifischen Enzyms zur
Verfügung. Dabei ist der Nachweis der fäkalen Tumor M2-PK unabängig davon,
ob der Tumor blutet oder nicht [13].
Die Höhe der fäkalen Tumor M2-PK korreliert positiv mit
der Tumorgröße und invers mit der Tumordifferenzierung [13]. Erhöhte Werte
können somit schon frühzeitig auf das Vorliegen eines gastrointestinalen
Tumors hinweisen und die Diagnose bereits im Anfangsstadium der Erkrankung
ermöglichen. Der Marker zeigt für die untersuchten Patientenkollektive
mit einer Spezifität von ca. 82 % und einer Sensitivität von ca. 78 % sehr
gute Resultate für die Früherkennung von Tumorgewebe und könnte sich als
Screening-Parameter für Coloncarcinome bewähren. [12,13].
Stark positive Untersuchungsergebnisse müssen zur Diagnosesicherung
durch die Koloskopie verifiziert werden. Die bisherigen Studien zeigen
einen deutlichen Zusammenhang zwischen der Konzentration der M2-PK im Stuhl
und gastrointestinalen Neoplasien und Adenomen [10,11,12,13].
Leichtgradig erhöhte Werte können auch bei akuten oder
chronischen entzündlichen Darmerkrankungen aufgrund starker intestinaler
Zellproliferation auftreten. Diese lokalen Entzündungen, aber auch systemische
Entzündungen, sollten vor weiterer invasiver Diagnostik differentialdiagnostisch
abgeklärt werden. In Abhängigkeit von der Klinik sollte die fäkale Tumor
M2-PK in einem 3-Monats-Intervall kontrolliert werden. Bei der Kontrolluntersuchung
sollte der Patient keinerlei Zeichen einer lokalen oder systemischen akuten
oder chronischen Entzündung aufweisen.
Aufgrund der bisherigen Datenlage empfiehlt sich für die
asymptomatische Bevölkerung ab dem 35. Lebensjahr eine jährliche Bestimmung
der M2-PK im Stuhl in Verbindung mit einer digital-rektalen Untersuchung.
dassmit zunehmendem Alter die Wahrscheinlichkeit einer
Zellveränderung zunimmt, werden ab dem 55. Lebensjahr zudem regelmäßige
Koloskopien im Abstand von 10 Jahren empfohlen.
Bei erhöhtem Erkrankungsrisiko durch genetische Faktoren
oder familiärer Prädisposition z.B. positive Familienanamnese, FAP (Familiäre
Adenomatöse Polyposis Coli), HNPCC (Hereditary Non Polyposis Colon Carcinom)
und auch chronisch entzündlichen Darmerkrankungen sind entsprechende kürzere
Kontrollintervalle für die Koloskopie auch schon in jüngerem Alter empfohlen.
Um die bisher gesammelten Daten zu reproduzieren und zu
belegen und ggf. allgemeine Empfehlungen zur präventiven Diagnostik zu
entwickeln, sind weitere Studien an größeren Patientenkollektiven nötig.
Vor diesem Hintergrund wurde von den Universitäten Mannheim
und Ulm sowie dem Klinikum Ludwigshafen jüngst eine Multizenter-Studie
initiiert.
Dies unterstreicht die Bedeutung der Prävention des kolorektalen-Carcinoms
als wichtiges Gesundheitsziel für die nächsten Jahre.
Probenmaterial:
Eine einzelne erbsengroße Stuhlprobe; mehrere Stuhlproben
oder eine vorherige Diät (wie beim Hämoccult-Test) sind nicht erforderlich.
Die Kosten der Tumor-M2-PK Bestimmung im Stuhl werden derzeit
von den gesetzlichen Krankenkassen noch nicht getragen. Es empfiehlt sich
die Abrechnung als Individuelle Gesundheitsleistung (IGEL-Leistung, 26.23
Euro).
Literatur:
- Schätzungen der Arbeitsgemeinschaft bevölkerungsbezogener
Krebsregister in Deutschland. Krebs in Deutschland. Häufigkeiten und Trends.
Arbeitsgemeinschaft bevölkerungsbezogener Krebsregister in Deutschland.
In Zusammenarbeit mit dem Robert-Koch-Institut. Saarbrücken, 3.Auflage
2002
- Riemann JF, Classen M: Darmkrebsfrüherkennung. Deutsches
Ärzteblatt;99:11: 706-708, 2002
- Lieberman D A., Weiss D G: One-time screening for colorectal
cancer with combined fecal occult-blood testing and examination of the
distal colon. N Engl J Med 23;345(8):555-60, 2001
- Eigenbrodt E, Basenau D, Holthusen S, Mazurek S, Fischer
G: Quantification of Tumor Type M2 Pyruvate Kinase (Tu M2-PK) in Human
Carcinomas. Anticancer Res 17:3153-56, 1997
- Mazurek S, Grimm H, Oehmke M, Weisse G, Teigelkamp S,
Eigenbrodt E: Tumor M2-PK and Glutaminolytic Enzymes in the Metabolic
Shift of Tumor Cells. Anticancer Res 20:5151-54, 2000
- Mazurek S, Eigenbrodt E: The Tumor Metabolome. Anticancer
Res 23:1149-54, 2003
- Schulze G: The Tumor Marker M2-PK: An Application in
the Diagnosis of Gastrointestinal Cancer. Anticancer Res 20:4961-64, 2000
- Hardt PD, Ngoumou B, Rupp J, Schnell-Kretschmer H, Kloer
HU: Tumor M2-Pyruvate Kinase: A Promising Tumor Marker in the Diagnosis
of Gastro-intestinal Cancer. Anticancer Res 20:4965-68, 2000
- Hardt PD,Toepler M, Ngoumou B, Rupp J, Kloer HU: Fecal
Pyruvate Kinase Concentrations (ELISA Based on a Combination of Clone
1 and Clone 3 Antibodies) for Gastric Cancer Screening. Anticancer Res
23:855-58, 2003
- Hardt PD, Toepler M, Ngoumou B, Rupp J, Kloer HU: Measurement
of Fecal Pyruvate Kinase Type M2 (Tumor M2-PK) Concentrations in Patients
with Gastric Cancer, Colorectal Cancer, Colorectal Adenomas and Controls.
Poster from Perspectives in Colorectal Cancer: A consensus Meeting, June
19th - 21st 2002, Barcelona, Spain
- Hardt PD, Toepler M, Ngoumou B, Rupp J, Kloer HU: Measurement
of Fecal Pyruvate Kinase Type M2 (Tumor M2-PK) Concentrations in Patients
with Gastric Cancer, Colorectal Cancer, Colorectal Adenomas and Controls.
Anticancer Res 23: 851-54, 2003
- Eigenbrodt E, Hardt PD, Toepler M, Schlierbach P, Kloer
HU: Tumor M2-PK: A new tool for metabolic profiling of gastrointestinal
tumors. Poster of the 31th Meeting of the International Society for Oncodevelopmental
Biology and Medicine (ISOBM), August 30th -September 4th
2003, Edingburgh, UK
- Toepler M, Schlierbach P, Hardt PD, Bretzel RG, Kloer
HU: Tumor M2-PK: A screening tool for colorectal cancer. Poste from the
12th Hamburger Symposium on Tumor Markers, 29. November - 02.
Dezember 2003, Hamburg/Germany
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Cystatin C
Februar 2004
Chronische Nierenerkrankungen mit Einschränkung der glomerulären
Filtrationsrate und drohender Dialyse sind häufige Erkrankungen in Praxis
und Klinik.
Zur Beurteilung der glomerulären Filtrationsrate werden
gewöhnlich das Serum-Kreatinin und die Kreatinin-Clearance herangezogen.
Die Serum-Kreatininwerte sind abhängig von der Muskelmasse
(zu berücksichtigen bei Kindern, Frauen, schmächtigen Menschen, Akromegalie,
erhöhter Muskelmasse) und können durch die Nahrung beeinflusst werden (hoher
Fleischkonsum). Die Serum-Kreatininwerte steigen erst bei einer Verminderung
der GFR um 50 % über die Norm an (kreatininblinder-Bereich). Die Sammeluringewinnung
kann ungenau und unzuverlässig sein (Kinder, Pflegepatienten). Insgesamt
zeigt sich deswegen für das Serum-Kreatinin und die Kreatinin-Clearance
eine inadäquate diagnostische Sensitivität.
Cytatin C ist ein idealer Marker zur frühzeitigen und sicheren
Beurteilung einer renalen -auch subklinischen- Dysfunktion.
Cystatin C ist nicht nahrungs-, geschlechts-, oder altersabhängig.
Es wird vollständig glomerulär filtriert, sofort tubulär reabsorbiert und
dort vollständig katabolisiert. Somit korreliert die Konzentration von
Cystatin C im Serum direkt mit der glomerulären Filtrationsrate und steigt
auch bei leichter Einschränkung der GFR unter 120 ml/min/1,73m2sofort
an [1]. Im Vergleich zu Serum-Kreatinin ist Cystatin C der sensitivere
und spezifischere Parameter für die Beurteilung der GFR und deshalb als
Screening-Parameter besser geeignet als das Kreatinin [2,3,4]. Dies gilt
besonders bei:
- Kindern und hochbetagten Patienten
- Patienten mit Typ II Diabetes
- Patienten mit unterschiedlichen akuten und chronischen
renalen Dysfunktion, z.B. bei SLE/ Autoimmunerkrankungen/HUS
- Hämodialyse/Nierentransplantation
- Steroid-Therapie oder anderer potentieller nierentoxischer
Medikation [2,5,6].
Cystatin C ist als Kassenleistung abrechenbar. Ggf. sind
folgende Ausnahmeziffern zu berücksichtigen: 32018 (chronische Niereninsuffizienz),
32022 (manifester Diabetes mellitus), 32023 (Rheuma und Kollagenosen).
Literatur:
1: Randers E, Erlandsen EJ: Serum cystatin C as an endogenous
marker of the renal function--a review. Clin Chem Lab Med. 1999 Apr;37(4):389-95.
2: Nitta K, Hayashi T, UchidassK, HondassK, TsukadassM, Sekine S, Itabashi
M, Yumura W, Nihei H: Serum cystatin C concentration as a marker of glomerular
filtration rate in patients with various renal diseases. Intern Med.
2002 Nov;41(11):931-5.
3: Herget-Rosenthal S, Trabold S, Pietruck F, Holtmann M, Philipp T, Kribben
A. Cystatin C: efficacy as screening test for reduced glomerular filtration
rate. Am J Nephrol 2000 Mar-Apr;20(2):97-102
4: Shimizu-Tokiwa A, Kobata M, Io H, Kobayashi N, Shou I, Funabiki K, Fukui
M, Horikoshi S, Shirato I, Saito K, Tomino Y: Serum cystatin C is a more
sensitive marker of glomerular function than serum creatinine. Nephron
2002 Sep;92(1):224-6
5: Randers E, Erlandsen EJ, Pedersen OL, Hasling C, Danielsen H: Serum
cystatin C as an endogenous parameter of the renal function in patients
with normal to moderately impaired kidney function. Clin Nephrol 2000 Sep;54(3):203-9
6: Mussap M, Dalla Vestra M, Fioretto P, Saller A, Varagnolo M, Nosadini
R, Plebani M. Cystatin C is a more sensitive marker than creatinine for
the estimation of GFR in type 2 diabetic patients. Kidney Int 2002 Apr;61(4):1453-61
Dr. M. Theune
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Gastrointestinale Infektionen durch Noro
Viren (Norwalk-Like-Virus)-Erregernachweis aus Stuhl
Oktober 2003
Sehr geehrte Frau Kollegin, sehr geehrter Herr Kollege,
Noroviren (Norwalk-Like-Virus, NLV) gehören
zur Familie der Caliciviren. Sie sind weltweit verbreitet und für einen
Großteil der nicht bakteriell bedingten infektiösen Gastroenteritiden verantwortlich.
Die Übertragung erfolgt vorwiegend über direkten
Kontakt von Mensch zu Mensch als Schmierinfektion, fäkal-oral, aerogen
mit virushaltigem Aerosol, über Lebensmittel und auch über kontaminiertes
Trinkwasser. Die erforderliche Infektionsdosis liegt bei weniger als 100
Viruspartikeln.
Eine durch NLVs verursachte Gastroenteritis
äußert sich zumeist durch starke Übelkeit, heftiges Erbrechen und schweren
Durchfall. Die Symptome treten nach einer Inkubationszeit von 6 bis 48
Stunden auf und können bis zu 3 Tagen anhalten. Die Virus-Ausscheidung
kann darüber hinaus bis zu vier Wochen betragen. Wegen der ausgeprägten
Variabilität der NLVs und dem Fehlen einer umfassenden protektiven Immunität
sind Reinfektionen möglich.
In den letzten Jahren konnte eine Erkrankungshäufung
bei Kindern bis 6 Jahren und bei Erwachsenen in Gemeinschaftseinrichtungen,
Alten- und Krankenpflegeeinrichtungen beobachtet werden. Die Erkrankung
tritt im gesamten Jahresverlauf auf, jedoch mit einer deutlichen saisonalen
Häufung ab Mitte Oktober bis ins zeitige Frühjahr.
Der Nachweis bei uns im Labor erfolgt durch
einen ELISA-Test, der die beiden Typen 1 + 2 erfasst. dass der Keim lt.
IfSG vom 01. 01. 2001 meldepflichtig ist, können Sie die budget-befreiende
Ausnahmeziffer 32006 anwenden.
Neben Noroviren (Norwalk-like Virus) kommen
auch Adeno-, Rota- und Astroviren als Erreger viraler Gastroenteritiden
in Frage und sollten differentialdiagnostisch in Erwägung gezogen werden.
Für Rückfragen stehen wir Ihnen gern jederzeit
zur Verfügung.
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Methicillin resistente Staph. aureus
(MRSA) in Alten- und Pflegeheimen
September 2003
MRSA sind aufgrund ihrer Multiresistenz gegen
Antibiotika und ihrer ausgeprägten Neigung zu epidemischer Verbreitung
gefürchtete Erreger nosokomialer Infektionen. Das Robert-Koch-Institut
(RKI) führte hierzu seit 1999 eine überregionale Studie zur Besiedelung
von Bewohnern in Alten- und Pflegeheimen durch. Dabei ist in diesen Einrichtungen
mit einer Prävalenz von 2,4 % eine kritische Zunahme der MRSA-Rate innerhalb
der letzten Jahre zu verzeichnen [1,2]. Die hohe epidemische Virulenz des
Erregers macht eine konsequente Infektionskontrolle erforderlich [1,2].
Die Kenntnis einer MRSA Besiedelung bei Risikopatienten ist Grundvoraussetzung
für situationsgerechte Isolierungs- und Kontrollmaßnahmen zur Bekämpfung
der intra- und interinstitutionellen Verbreitung von MRSA und die Vermeidung
von epidemischen Ausbrüchen [3]. Als Risikofaktoren für eine Besiedelung
mit MRSA gelten laut RKI in Übereinstimmung mit der internationalen Literatur
folgende dispositionelle und therapieassoziierte Faktoren:
-
Bettlägerigkeit, geringe Mobilität
-
hohes Alter
-
ausgedehnte Hautläsionen (offene Wunden,
Ulcera, Dekubiti, Ekzeme)
-
Diabetes mellitus, periphere Durchblutungsstörungen
-
Resistenzminderung, Multimorbidität,
hohe Pflegestufe
-
häufige Hospitalisierungen, längerer
Heimaufenthalt
-
lange Antibiotikatherapie
-
invasive Maßnahmen (Harnwegskatheter,
PEG-Sonde, Infusionen)
Für diese Risikopatienten wird ein Screening
auf MRSA-Besiedelung vom RKI empfohlen.
Die MRSA Stämme sind durch den Nachweis des Methicillin-Resistenz kodierenden
mecA Genes mittels PCR schnell zu identifizieren. Als Untersuchungsmaterial
für ein MRSA-Screening wird bisher am häufigsten ein Nasenabstrich verwendet.
Die MRSA-Untersuchung ist keine Kassenleistung.
Sollte eine Abrechnung als Selbstzahlerleistung nicht möglich sein, ist
zu klären, ob der Träger der Einrichtung die Kosten für die Untersuchung
übernimmt.
In diesem Fall würden wir EUR 50,19 für die Untersuchung berechnen.
Für Rückfragen stehen wir Ihnen gerne jederzeit zur Verfügung.
Literatur:
1. Epidemiologisches Bulletin des RKI, 35/2003
2. Epidemiologisches Bulletin des RKI, 19/2003
3. Erkrankungen durch Staphylococcus aureus unter besonderer Berücksichtigung
der MRSA:
Der Mikrobiologe 10. Jg. 2000, S 145 - 148
Dr. M. Theune
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BNP - ein neuer diagnostischer Marker
bei Herzinsuffizienz
Sehr geehrte Frau Kollegin,
sehr geehrter Herr Kollege,
das atrialnatriuretische Peptid (ANP) und das Brain natriuretische
Peptid (BNP) sind im Herzen synthetisierte Hormone (ANP, v.a. Atrium; BNP,v.a.
Ventrikel), die über das Renin-Angiotensin-System an der Steuerung der
Herz-Kreislauffunktion sowie der Elektrolyt- und Wasserabscheidung mit
dem Urin beteiligt sind. ANP und BNP vermindern die Aldosteron- und Reninsekretion
und setzen somit den Blutdruck herab.
Die Freisetzung ist von der Wandspannung, Druck- und Volumenbelastung des
Herzens abhängig und somit bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz
proportional zum Schweregrad der Erkrankung erhöht. Somit ist die Ausprägung
einer Herzinsuffizienz mit der Bestimmung von BNP einfacher als mit der
klinischen Klassifikation der New York Heart Association (NYHA-Klassen
I-IV) zu charakterisieren.
BNP wird im Gegensatz zu ANP nach seiner Bildung nicht gespeichert, sondern
direkt sekretiert und in das physiologisch aktive BNP und das N-terminal
Fragment NT-proBNP gespalten.
Indikationen:
Bei einer Herzinsuffizienz (insbesondere linksventrikuläre
Vorlasterhöhung) kommt es zu erhöhten Konzentrationen von BNP im Blut:
Primärdiagnostik der Herzinsuffizienz
Zuordnung von Symptomen, Ausschluss einer behandlungsbedürftigen Herzinsuffizienz.
Risikostratifizierung
Identifizierung linksventrikulärer Funktionsstörungen bei Risikopatienten
mit Diabetes, Mikroalbuminurie, arterielle Hypertonie, präoperativ, etc.
Unterstützende Hinweise bei der Prognosestellung
Verlaufskontrolle und Therapiemonitoring
Material:
1 ml Plasma, gefroren
Ihr Laborteam
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Zytogenetische Diagnostik bei habitueller Abortneigung
Inzidenz
Ca. 10-15 % aller klinischen Schwangerschaften enden als
spontane klinische Aborte, meist als Frühaborte vor Beendigung der
12. Schwangerschaftswoche (SSW) (1). Bei Einbeziehen von den meist unerkannten
Frühestaborten muss man von einer Abortrate von ca. 50% ausgehen (1).
Die Wahrscheinlichkeit eines Abortes steigt dabei mit der Zahl vorausgegangener
Fehlgeburten (1). Von allen Frauen mit Kinderwunsch leiden etwa 1-3% unter
habituellen Aborten (1).
Unter den zahlreichen Ursachen (anatomisch, autoimmunologisch,
endokrinologisch, hämostasio-logisch und exogen) sind die chromosomal
bedingten am häufigsten.
Die zytogenetische Abklärung von Aborten wird aus
klinischen, therapeutischen, prognostischen und nicht zuletzt auch aus
psychologischen Gründen von der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie
und Geburtshilfe 2004 (2) empfohlen.
Elterliche Chromosomenaberrationen
Chromosomenanalysen aus Lymphozyten von Paaren mit habituellen
Aborten zeigen in ca. 5 % der Fälle Auffälligkeiten (3). Dabei
überwiegen balancierte reziproke Translokationen bei Vater oder Mutter,
durch die unbalancierte Zustände bei Fruchtanlagen entstehen können
(3). Der Nachweis dieser Chromosomenaberration bei den betroffenen Paaren
ist 30fach höher als in der Allgemeinbevölkerung (3). Andere
Auffälligkeiten sind die elterliche Robertson Translokation, sowie
strukturelle oder numerische Aberrationen der Geschlechtschromosomen (z.B.
Klinefelter-Mosaik) (3). Je nach Art der diagnostizierten Strukturaberration
bei den Betroffenen kann dann das Risiko eines erneuten Abortes abgeschätzt
werden.
Chromosomenaberrationen in Spontanaborten
Untersuchungen an frühen Spontanaborten haben ergeben,
dass in 50-60% eine Chromosomen-Aberration vorliegt, wobei numerische Chromosomenanomalien
überwiegen (Tabelle 1).
Tabelle 1:
% Verteilung von Chromosomenanomalien bei Spontanaborten mit Chromosomenaberrationen.
(Modifiziert nach 4,5,6)
Chromosomaler Befund |
Spontanaborte |
Autosomale Trisomien v. a. Trisomie 13,
16, 18, 21, 22 |
Ca. 50 - 60 % |
Polyploidie |
Ca. 20 % |
Monosomie X
(Ullrich-Turner Syndrom) |
Ca. 15 % |
Strukturelle Aberrationen |
Ca. 5% |
Wiederholungsrisiko
• Mit steigendem Alter der Mutter ist das Risiko von
Chromosomenfehlverteilungen z.B. Trisomie 21 bei Nachkommen erhöht
(7). Daher ist mit zunehmenden mütterlichem Alter auch mit einer Zunahme
der Frühaborte zu rechnen.
• Numerische Chromosomenaberrationen in Aborten entstehen
überwiegend spontan während der Reifeteilung der Eizelle oder
des Spermiums . Für die überwiegende Mehrheit der betroffenen
Paare (> 95%) ist hier das Wiederholungsrisiko nur geringfügig
erhöht.
Ein kleiner Teil der Paare (< 5%) mit Trisomie-Befunden
bei Aborten weist jedoch Keimzellmosaike auf, welche in somatischen Zellen
nicht nachzuweisen sind. Ein Keimzellmosaik ist anzunehmen, wenn bei normalem
Chromosomensatz beider Partner wiederholt die gleiche Chromosomenanomalie
im Abortgewebe nachgewiesen wird (8). Das Wiederholungsrisiko ist für
die Betroffenen je nach Anteil der trisomen Keimzellen in den Gonaden evt.
erheblich erhöht.
• Die relativ seltenen strukturellen Chromosomenaberrationen
bei Aborten entstanden zur Hälfte der Fälle de novo und lagen,
zur anderen Hälfte bereits bei einem Elternteil als balancierte „erbliche“
bzw. familiäre Strukturaberration vor.
Bei einer neu entstandenen Strukturaberration ist das
Wiederholungsrisiko sehr gering und besteht im wesentlichen in der Möglichkeit
eines Gonadenmosaiks .
Das Risiko für einen unbalancierten Chromosomensatz
des Feten bei familiären Chromosomenaberrationen (z.B. Translokation,
Inversion) beträgt in Abhängigkeit von der Art der Aberration
sowie der Lokalisation und Größe des beteiligten Chromosomenabschnittes
ca. 0 - 22% (9, 10). Bei Iso-Translokation, wie z.B. (13;13) oder (21;21)
kommt es in 100% der Fruchtanlagen zu Phänotypen wie bei einer numerischen
Aberration des entsprechenden Chromosoms (Trisomie oder Monosomie).
• Spätaborte weisen meist einen normalen Chromosomensatz
auf, aufgrund der natürlichen Selektion von Feten mit chromosomalen
Aberrationen (1).
• Aufgrund der relativ großen Häufigkeit
spontan auftretender fetaler Chromosomenanomalien bei den Abortursachen
ist ein unauffälliger Karyotyp in einer vorangegangen Fehlgeburt eher
mit einem erhöhten Risiko für einen erneuten Abort assoziiert
(11). Hier sollte gezielt nach anderen Ursachen wie z.B. endokrinologischen,
Autoimmunerkrankungen und hereditäre Thrombophilien (s.u.) gesucht
werden.
Begriffserklärungen
Unauffälliger Chromosomensatz:
44 Autosomen und 2 Gonosomen (Karyotyp 46, XY bzw. 46, XX)
Numerische Chromosomenanomalien: die Zahl betreffend
- Trisomie:
zusätzliches Chromosom vorhanden, z.B 47, XY, + 21
- Polyploidie: ganzzahlige Vermehrung
haploider Chromosomensätze auf z. B. 69 bzw. 92 Chromosomen
Strukturelle Chromosomenanomalien: Umbauten
innerhalb eines Chromosoms oder zwischen verschiedenen Chromosomen.
- Balanciert: ohne Verlust und/oder Zugewinn von chromosomalem
Material;
->meist keine klinische Symptomatik
- Unbalanciert: mit Verlust und/oder Zugewinn;
->Ursache einer syndromalen Erkrankung
- Reziproke Translokation: wechselseitiger Austausch von
Chromosomensegmenten ohne erkennbaren Materialverlust.
- Robertson Translokation: Fusion der langen Arme zweier
akrozentrischen Chromosomen mit Verlust der kurzen Arme. Da die kurzen
Arme keine Einzelgene enthalten, bedingt der Verlust keine phänotypischen
Veränderungen; „erbliche“ Trisomie 21, Sterilität
- Inversion: Eine Inversion entsteht durch zwei Brüche
in einem Chromosom mit einer 180°-Drehung des Segmentes zwischen den
Bruchstellen.
Chromosomales Mosaik: Vorhandensein verschiedener
Karyotypen innerhalb von oder in unterschiedlichen Organsystemen
Zytogenetische Untersuchungen
Chromosomenanalyse aus Abortmaterial
- Indikation: vorangegangene Aborte,
bekannte elterliche Chromosomenveränderungen, vorangegangene Geburten
von Kindern mit Chromosomenbesonderheiten
- Material: Achillessehne in PBS, Abortzotten
oder fetales Gewebe in Transportmedium
- Methode: Karyotypanalyse nach Langzeitkultur
Chromosomenanalyse aus peripheren
Lymphozyten
- Indikation: Sterilität, Geburten
von Kindern mit chromosomalen Besonderheiten, habituelle Aborte, auffälliger
pränataler Chromosomensatz beim ungeborenen Kind, V. a. auf Dysmorphie-Syndrom,
V.a. gonosomale Chromosomen-veränderungen, Verwandte von Personen
mit strukturellen Chromosomenanomalien
- Material: 10 ml unzentrifugiertes Li-Heparinblut
- Methode: Karyotypanalyse nach Kurz-zeitkultivierung
Spezifische Molekulare Zytogenetik
Subtelomerdiagnostik
- Indikation: habituelle Aborte ungeklärter
Genese, V. a. Dysmorphie - Syndrom, Entwicklungs-verzögerung und
mentale Retardierung,
- Material: 10 ml unzentrifugiertes Li-Heparinblut
- Methode: Nachweis von Deletionen bzw.
Duplikationen im Telomerbereich mittels MLPA-Screening ( Multiplex Ligation-dependent
Probe Amplification) und Bestätigung mittels FISH-Technik (Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung)
Untersuchung auf chromosomale Rearrangements
- Indikationen: gezielter Verdacht auf
chromosomale Translokationen, da Chromosomenstrukturanomalien kleiner
als 3-5 Mio. Basenpaare durch eine konventionelle Chromosomenuntersuchung
nicht erkannt werden können.
- Material: 10 ml unzentrifugiertes Li-Heparinblut
- Methode: FISH mit Chromosom-painting
Sonden oder multicolor-FISH
Weiterführende laboratoriumsmedizinische Differentialdiagnostik
- Thrombophilien: Antiphospholipid-Syndrom
(Lupusantikoagulans, Anti-Cardiolipin-Ak), Protein C-, Protein-S-Mangel,
Faktor-V-Leiden, MTHFR-, Prothrombinmutation, AT III, Homocystein, Faktor
VIII, IX, XII
- Endokrine Störungen:
FSH, LH, TSH, Progesteron, Östradiol, Prolactin, Testosteron, DHEAS,
Androstendion
- Ausschluß eines Diabetes mellitus:
oraler Glukosetoleranztest, Nüchternglukose, HbA1c
- Mikrobiologischer Abstrich der Cervix
- Umweltbedingte Ursachen: Quecksilber,
Blei, Cadmium, Pestizide, organ. Lösungsmittel, Kupfer, Schwefeldioxid
- Immunologische Ursachen: Bestimmung
von NK-Zellen im peripheren Blut, Bestimmung des TH2/TH1-Ratio
Literatur
- Hinney B.; Habituelle Abortneigung - Abklärung
und Therapie; Gynäkologe, 2001, 34: 339-356
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zur Diagnostik und Therapie des wiederholten Spontanabortes, 2004, 3.2.8
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- Ohno M. et al.; A cytogenetic study of spontaneous abortions
with direct analysis of chorionic vili ; Obstet Gynecol, 1991, 77(3) :
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- Eiben B. et al.; Cytogenetic analysis of 750 spontaneous
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Genet, 1990, 47 (4): 656-63
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ovarian trisomy 21 mosaicism; Arch Gynecol Obstet, 1994; 255 (4): 213-
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carriers of chromosomal reciprocal translocations; Clin Genet, 1992, 41(3):
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translocation carriers-prenatal diagnosis experience ; Clin Genet,
1996, 49 (3): 145-51
- Ogasawara M. et al.; Embryonic karyotype of abortuses
in relation to the number of previous miscarriages; Fertil Steril, 2000,
73 (2): 300 – 304
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Genetische Diagnostik bei Infertilität
Die Zahl der ungewollt kinderlosen Paare in Deutschland
liegt bei ca. 15% (1). Die Fortschritte in der Reproduktionsmedizin, insbesondere
seit der Einführung des direkten Mikroinjektionsverfahren von Spermien,
ermöglichen es nun auch prinzipiell einer Reihe von infertilen Paaren
ihren Kinderwunsch zu erfüllen.
Ist die Ursache der Infertilität allerdings eine Chromosomen-Anomalie
oder ein molekularer Gendefekt, ist eine Übertragung dieser genetischen
Anomalie auf die Nachkommenschaft möglich. In der Routinediagnostik
werden folgende drei zytogenetische und molekulargenetische Untersuchungstechniken
von der Deutschen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin 2004 (2) empfohlen,
um Betroffene erkennen und entsprechend beraten zu können.
Zytogenetische Aberrationen bei Männern und Frauen
Ca. 13,1 % der Männer mit Azoospermie und ca. 4,3
% der Männer mit Oligozoospermie weisen chromosomale Anomalien auf.
Bei Männern mit Azoospermie können 93% der chromosomalen Anomalien
auf Aberrationen der Geschlechtschromosomen zurückgeführt
werden, wobei hier 47, XXY (Klinefelter-Syndrom) dominiert. Infertilität
ist bei 47, XXY Männern ohne Mosaik fast unvermeidlich. Männer
mit Mosaiken XXY/XY können hingegen Spermien in variabler Anzahl produzieren.
Bei Männern mit Oligozoospermie dominieren Aberrationen der autosomalen
Chromosomen, wobei die Robertson - Translokationen (v.a. 13;14), gefolgt
von reziproken Translokationen, überwiegen.
Die Vererbungsmuster von Robertson- Translokationen
sind komplex und abhängig von den beteiligten Chromosomen und dem
Geschlecht des Trägers. Im Gegensatz zu Frauen ist bei Männern
mit einer Robertson-Translokation (13;14) das Risiko eines Nachkommens
mit einer unbalancierten Translokation sehr gering (<1%), da die Produktion
abnormer Spermatozoen wahrscheinlich selektionsbedingt gering ist.
Bei Trägern von reziproken Translokationen
variiert die Wahrscheinlichkeit eines Nachkommen mit abnormalem Chromosomensatz
zwischen 0- 50% in Abhängigkeit von den
beteiligten Chromosomen und der Größe der Rearrangements.
Die Wahrscheinlichkeit für eine Chromosomen-anomalie
ist um so größer, je geringer die Spermienzahl ist. Es besteht
jedoch kein Zusammenhang zwischen Spermienmorphologie bzw. Spermienmotilität
und dem Risiko für chromosomale Anomalien.
Ca. 2,5-4 % der Frauen mit einer Indikation für eine
IVF weisen Chromosomenaberration wie numerische gonosomale Mosaike
(45,X/46,XX oder 45,X/47,XXX/46,XX etc.) oder reziproke Translokationen
auf. Bei Paaren die ICSI (intracytoplasmic sperm injection) in Anspruch
nehmen, weisen nicht nur die männlichen Partner (4,6%) sondern interessanterweise
auch die Partnerinnen (1,8-5%) eine erhöhte Rate an Chromosomenanomalien
auf. Bei den Männern überwiegen wiederum numerische Aberrationen
der Geschlechtschromosomen (47, XXY), bei den Frauen numerische gonosomale
Mosaike (3).
Indikation: Infertilität unklarer
Genese
Material: 10 ml unzentrifugiertes Li-Heparinblut
Methode: Karyotypanalyse nach Kurzzeit-kultivierung
Gendefekte: Mutationen im CFTR-Gen
Bei ca. 2% aller Männer mit Infertilität ohne
Zeichen einer Cystischen Fibrose (CF, Mukoviszidose), bei ca. 6% der Patienten
mit obstruktiver Azoospermie und bei 99% aller männlichen, adulten
CF-Patienten liegt eine ein- oder beidseitige Abwesenheit der Samenstränge
(Congenital bilateral absence of vas deferens, CBAVD) vor (4,5). CF ist
eine der häufigsten autosomal rezessiven Erkrankungen in der kaukasischen
Bevölkerung (Trägerfrequenz 1:25), welche durch Mutationen im
CFTR-Gen (Cystic Fibrosis Transmembrane Regulator) hervorgerufen wird.
Über 900 Mutationen des CFTR-Gens wurden beschrieben,
wobei 88% der CF-Patienten homozygot für zwei „schwere“
Mutationen und 11% compound (=zusammengesetzt) heterozygot für eine
„schwere“ und eine „milde“ Mutation sind. Ca. 65%
der Patienten mit CBAVD weisen Mutationen im CFTR-Gen auf und prägen
entweder eine schwache Cystische Fibrose aus oder sind symptomfrei. Ca.
88% dieser CBAVD-Patienten sind compound heterozygot für eine „schwere“
und eine „milde“ CFTR-Gen-Mutation, 12% weisen „milde“
Mutationen auf beiden elterlichen CFTR- Allelen (Genkopien) auf.
Allerdings findet man bei CBAVD andere Kombinationen von mutanten Allelen
als bei CF. Neben einer compound Heterozygotie für R117H und ΔF508
besteht der häufigste, mit CBAVD assoziierte Genotyp aus dem 5T-Allel
in Verbindung mit einer schwerwiegenden Mutation. Die Zahl der TG-Repeats
in der Nachbarschaft eines 5T-Allels hat einen Einfluss auf die Ausprägung
des Phänotyps (6).
Das Risiko einer CF für Nachkommen von (ungetesteten)
CBAVD Paaren, die sich ICSI unterziehen liegt zwischen 1:100 und 1:200,
wenn man davon ausgeht, dass die meisten CBAVD-Patienten eine schwere CF
auslösende CFTR-Mutation besitzen und die Trägerfrequenz bei
Partnerinnen 1:25 ist. Daher sollte bei CBAVD auch die Partnerin auf Mutationen
im CFTR-Gen getestet werden.
Indikation: Männer mit CBAVD und
deren Partnerin, Infertilität unklarer Genese
Material: 5 ml EDTA-Blut
Methode: PCR und Sequenzierung der Exons
4, 7, 9, 10, 11, 13, 14b, 19, 20, 21 und teilw. Intron 19 vo CFTR
Y-Mikrodeletionen: Mutationen in den Azoospermiefaktoren
Der auf dem Y-Chromosom gelegene Azoospermiefaktor (AZF)
ist für die Spermatogenese von essentieller Bedeutung und wird auf
der Region Yq11 in 3 Subintervalle AZFa, AZFb und AZFc unterteilt. Ca.
4-14% der Patienten mit nicht-obstruktiver Oligozoospermie und ca. 11-18%
der Patienten mit Azoospermie weisen mikroskopisch nicht erfassbare Mikrodeletionen
in diesen Bereichen auf (7).
Die Y-Gene im AZFa Locus sind in der Embryogenese und im
Kindesalter für die Bereitstellung und Differenzierung der Spermatogonien
von Bedeutung, die Y-Gene im AZFb und AZFc Locus sind für Reifung
der Spermatogonien wichtig. Eine AZFa Deletion ist häufig mit einem
Fehlen von Keimzellen verbunden, so dass eine testikuläre Spermienextraktion
(TESE) eher erfolglos sein wird. Bei einer AZFb Mikrodeletion ist die Chance
für das Auffinden von Spermien sehr gering. Bei der am häufigsten
vorkommenden AZFc Mikrodeletion findet sich ein sehr variabler Phänotyp
von Azoo- bis Oligozoospermie (8).
Im Falle einer AZF-Deletion sind männliche Nachkommen
nach ICSI ebenfalls Träger dieser Deletion und werden mit großer
Wahrscheinlichkeit ebenfalls subfertil bzw. infertil sein. Dabei ist jedoch
eine mögliche variable Expressivität zu beachten.
Indikation: Infertile Männer mit
nicht obstruktiver, idiopathischer Azoospermie, Oligospermie, Kryptospermie,
Sertoli Cell Only-Syndrom, OAT (Oligoasthenoteratozoospermie)-Syndrom
Material: 5ml EDTA-Blut
Methode: DNS-Isolierung mit anschließender
Amplifikation von 6 nicht-polymorphen STS-Markern aus den Regionen AZFa,
AZFb und AZFc des Y-Chromosoms. Nachweis der Deletion mittels Gelelektrophorese
Weiterführende laboratoriumsmedizinische Differentialdiagnostik
- Spermiogramm
- Endokrine Störungen: Testosteron, Östradiol,
DHT, LH, FSH, TSH, Prolaktin
- Ggf. bakteriologische und virologische Abklärung
- Antikörper gegen Spermien
Begriffserklärungen
Unauffälliger Chromosomensatz: 44
Autosomen und 2 Gonosomen (Karyotyp 46, XY bzw. 46, XX)
Numerische Chromosomenanomalien: die Zahl
betreffend
Strukturelle Chromosomenanomalien: Umbauten
innerhalb eines Chromosoms oder zwischen verschiedenen Chromosomen.
- Balanciert: ohne Verlust und/oder Zugewinn von chromosomalem
Material;
->meist keine klinische Symptomatik
- Unbalanciert: mit Verlust und/oder Zugewinn;
->Ursache einer syndromalen Erkrankung
- Reziproke Translokation: wechselseitiger Austausch von
Chromosomensegmenten ohne erkennbaren Materialverlust.
- Robertson Translokation: Fusion der langen Arme zweier
akrozentrischen Chromosomen mit Verlust der kurzen Arme. Da die kurzen
Arme keine Einzelgene enthalten, bedingt der Verlust keine phänotypischen
Veränderungen; z.B.„erbliche“ Trisomie 21, Sterilität.
Literatur:
1.) Bruckert E.; How frequent is unintentional
childlessness in Germany?; Andrologia, 1991, 23 (3): 245-50
2.) Ludwig M. et al.: Stellungnahme der Arbeitsgemeinschaft
Reproduktionsgenetik der Deutschen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin:
Empfehlungen zur genetischen Diagnostik bei Kinderwunschpaaren. J Reproduktionsmed.
Endokrinol, 2004, 1(3): 190-3
3.) Mau U.A.: Somatic chromosomal abnormalities
in infertile men and women. Cytogenet Genome Res, 2005, 111: 317-336
4.) Jarzabek K. et al.: Cystic fibrosis as
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129
5.) Dohle G. R. et al.: The complex relationships
between cystic fibrosis and congenital bilateral absence of the vas deferens:
clinical, electrophysiological and genetic data. Human Reproduction, 1999,
14: 371-374
6.) Cuppens H. et al.: CFTR mutations and polymorphisms
in male infertility. Int J Androl, 2004, 27: 251-256
7.) Vogt P. H. : Azoospermia factor (AZF) in
Yq11: towards a molecular understanding of its function for human male
fertility and spermatogenesis. Reproducitve BioMedizine Online, 2005, 10
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8.) Foresta C. et al.: Y Chromosome micordeletions
and alterations of spermatogenesis. Endocr Rev , 2001, 22: 226-239
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